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M3516-Opfermahl

Das Geheimnis des Opfermahls

So sah Anna Katharina Emmerick die Einsetzung des Altarsakramentes

Jesus aber hob den Kelch bei den beiden Ringen gegen sein Angesicht empor, und sprach die Worte der Einsetzung hinein. Er war in dieser Handlung ganz verklärt und wie durchsichtig; er war in das übergehend, was er gab. Er ließ Petrus und Johannes aus dem Kelche, den er in Händen hielt, trinken, und setzte ihn nieder, und Johannes schöpfte mit dem kleinen Löffel von dem heiligen Blute aus dem Kelche in den kleinen Becher, den Petrus den Aposteln hinreichte, welche paarweise aus einem Becher tranken. Auch Judas hat, aber ich entsinne mich dessen doch nicht ganz gewiß, noch den Kelch genossen; er ging aber nicht an seinen Ort zurück, sondern verließ gleich das Cönaculum. Die anderen, weil Jesus ihm gewinkt hatte, meinten, er habe ihm ein Geschäft aufgetragen; er ging weg ohne Gebet und ohne die Danksagung, da kannst du sehen, wie übel es bestellt ist, wenn man ohne Dankgebet vom täglichen und vom ewigen Brot hinweggeht. Ich hatte während des ganzen Mahles bei Judas Füßen die Gestalt eines kleinen roten Ungeheuers sitzen sehen, das ihm manchmal bis zum Herzen hinaufkam; sein einer Fuß war wie ein kahler Knochen. Als Judas vor der Türe war, sah ich drei Teufel um ihn; einer fuhr ihm in den Mund, einer trieb ihn, einer lief vor ihm her. Es war Nacht; es war, als leuchteten sie ihm; er lief wie ein Rasender.

Einen Rest des heiligen Blutes, der in dem Kelche übrig war, goß der Herr in den kleinen Becher, der in dem Kelche gestanden; dann hielt er die Finger über den Kelch, und ließ sich von Petrus und Johannes Wasser und Wein darüber gießen. Diese Nachspülung ließ er die beiden wieder aus dem Kelche trinken, und den Rest abermals in die Becher geschöpft an die übrigen Apostel gelangen. Hierauf trocknete der Herr den Kelch aus, setzte den Becher mit dem Reste des heiligen Blutes hinein, stellte die Platte mit dem übrigen konsekrierten Osterbrote darauf und den Deckel darüber und deckte das Tuch wieder über den Kelch, den er auf seine Unterlage zwischen die kleinen Becher zurückstellte. Ich habe nach der Auferstehung die Apostel von dem Übrigen des hI. Sakramentes genießen sehen.

Ich erinnere mich nicht, gesehen zu haben, daß der Herr es selbst genossen, ich würde es denn übersehen haben. Als er es gab, gab er sich, so daß er mir wie ausgeleert und in barmherziger Liebe ergossen erschien. Es ist dieses unaussprechlich. Ich habe auch nicht gesehen, daß Melchisedek, als er Brot und Wein opferte, es selbst genossen. Ich habe auch gewußt, warum die Priester es nehmen, da Jesus es nicht nahm.

Während sie dieses sagte, sah sie sich plötzlich um, wie eine Zuhörende; sie erhielt eine Erklärung hierüber, vermochte aber nur folgendes davon mitzuteilen: „Hätten es Engel gespendet, sie hätten es nicht empfangen; empfingen es aber die Priester nicht, so wäre es längst verloren gegangen; dadurch wird es erhalten.“

Alle Verrichtungen Jesu während der Einsetzung des hl. Sakramentes gingen sehr geregelt und feierlich, und doch lehrend und unterweisend vor sich; auch sah ich nachher die Apostel sich einiges mit Zeichen in die kleinen Rollen bemerken, die sie bei sich trugen. Seine Wendungen rechts und links waren feierlich, wie immer in den Gebetshandlungen. Alles zeigte den Keim der heiligen Messe. Ich sah auch die Apostel beim Heranschreiten und andern Gelegenheiten sich priesterlich gegeneinander beugen.

Jesus hielt nun noch eine Geheimnislehre; er sagt ihnen, wie sie das heilige Sakrament fortsetzen sollten zu seinem Gedächtnis bis ans Ende der Welt, und lehrte sie das Hauptsächliche in der Weise des Gebrauches und der Mitteilung, und auf welche Art sie das Geheimnis desselben nach und nach lehren und aussprechen sollten, und wann sie von dem übrigen wieder nehmen, wann der heiligen Jungfrau es reichen, und, so er ihnen den Tröster gesendet, es selbst konsekrieren sollten.

Dann aber lehrte er sie vom Priestertum und der Salbung und der Bereitung des Chrisams und der heiligen Öle. Es standen drei Büchsen, zwei mit verschiedenem Balsam und Öl, und auch Baumwolle bei dem Kelchapparat; man konnte sie aufeinander stellen. Er lehrte sie viele Geheimnisse darüber, wie die Salbe zu mischen, an welche Stellen des Leibes sie anzuwenden, und bei welchen Gelegenheiten. Ich erinnere mich unter anderem, als habe er einen Fall erwähnt, wo das hI. Abendmahl nicht mehr anwendbar sei, vielleicht bezog er sich auf die heilige letzte Ölung; es ist mir jedoch nicht mehr ganz klar bewußt. Er sprach von verschiedenen Salbungen, auch von jener der Könige, und wie selbst ungerechte Könige, welche gesalbt seien, eine innere geheimnisvolle Gewalt vor andern besäßen. Er tat aber von der zähen Salbe und dem Öl in die leere Büchse und mischte beides; ich weiß nicht mehr bestimmt, ob der Herr erst hier oder schon bei der Opferung der Brote das Öl benedizierte.

Ich sah hierauf, daß Jesus den Petrus und Johannes salbte, welchen er bei der Einsetzung des heiligen Sakramentes auch von dem Wasser, das über seine Hände geflossen war, über die ihrigen gegossen hatte, und die den Kelch, von einer Hand gehalten, getrunken hatten.

Er schritt aus der Mitte des Tisches etwas zur Seite, legte Petrus und Johannes die Hände erst auf die Schultern, dann auf das Haupt. Sie mußten dann die Hände zusammenlegen und die Daumen kreuzen. Der Herr bestrich ihnen, die vor ihm sich tief beugten, ich weiß nicht, ob sie knieten, die Daumen und ersten Finger mit der Salbe, und machte ihnen damit ein Kreuz auf das Haupt. Er sagte ihnen auch, dieses solle bis ans Ende der Welt bei ihnen bleiben. Auch Jacobus Minor, Andreas, Jacobus Major und Batholomäus erhielten Weihen. Ich sah auch, daß der Herr dem Petrus die schmale Zeugbahn, welche sie um den Hals trugen, über der Brust kreuzweis verschlang, und den andern von der rechten Schulter unter dem linken Arm quer über die Brust legte. Doch weiß ich nicht mehr bestimmt, ob dieses schon bei der Einsetzung des hl. Sakramentes oder erst jetzt bei der Salbung geschah.

Ich sah aber - wie, das ist unaussprechlich -, daß Jesus ihnen durch diese Salbung etwas Wesentliches und zugleich Übernatürliches gab. Er sagte ihnen auch, nach dem Empfange des hl. Geistes würden sie zuerst Brot und Wein selbst konsekrieren und auch die andern Apostel salben. Ich hatte hierbei einen Blick, wie Petrus und Johannes am Pfingstfest vor der großen Taufe den anderen Aposteln die Hände auflegten, und daß acht Tage nachher dasselbe mit mehreren Jüngern geschah. Ich sah auch, daß Johannes nach der Auferstehung der hl. Jungfrau zum ersten Male das hl. Sakrament reichte. Es ist dieses Ereignis ein Fest der Apostel gewesen; die Kirche hat es nicht mehr, aber in der triumphierenden Kirche sehe ich den Tag noch feiern. Auch in den ersten Tagen nach Pfingsten sah ich nur Petrus und Johannes das hl. Sakrament konsekrieren; später geschah es auch von anderen.

Der Herr weihte ihnen auch Feuer in einem erzenen Kessel; es glühte immer nachher, auch nach längerer Abwesenheit, und wurde neben dem Standort des heiligen Sakramentes in einem Raum des ehemaligen Osterherdes bewahrt, wo sie es immer zu geistlichem Gebrauche holten.

Alles, was Jesus bei der Einsetzung des hl. Abendmahles und der Salbung der Apostel tat, geschah sehr geheim und ward auch nur als Geheimnis fortgelehrt und ist bei der Kirche bis heutzutage wesentlich geblieben, jedoch durch Eingebung des hl. Geistes nach ihren Bedürfnissen erweitert worden.

Bei der Bereitung der Weihe des heiligen Chrisams taten die Apostel Handreichungen, und als Jesus sie salbte und ihnen die Hände auflegte, geschah es mit Feierlichkeit.

Ob Petrus und Johannes beide zu Bischöfen oder nur Petrus zum Bischof und Johannes zum Priester gesalbt wurden, und welchen Grad von Würde die vier anderen erhielten, vergaß die Erzählerin zu bemerken. Die verschiedene Art, wie der Herr dem Petrus und den anderen die schmale Zeugbahn um den Hals schlang, scheint auf verschiedene Grade der Weihe zu deuten.

Nachdem diese heiligen Handlungen vorüber waren, wurde der Kelch, wobei auch die geweihten Salben standen, mit seinem Übersturz bedeckt, und so das heilige Sakrament von Petrus und Johannes in den hinteren, durch einen in der Mitte sich öffnenden Vorhang abgeschiedenen Raum des Saales getragen, der nun das Allerheiligste war. Das hl. Sakrament stand über dem Rücken des Osterlammsofens nicht sehr hoch. Josef von Arimathia und Nikodemus bewahrten ihnen das Heiligtum und das Cönaculum immer in ihrer Abwesenheit.

Jesus hielt nun noch eine lange Lehre und mehrere Gebete mit großer Innigkeit; es war oft, als ob er mit seinem himmlischen Vater spräche; er war ganz voll Geist und Liebe. Auch die Apostel waren voll Freude und Eifer und fragten um Verschiedenes, worauf er ihnen antwortete. Von diesem allem steht, glaube ich, manches in der hl. Schrift. Er sprach während dieser Reden einiges zu Petrus und Johannes, die ihm zunächst saßen, allein, was sie später in Beziehung auf früher Gesagtes, was er ihnen anführte, den anderen Aposteln, und diese den Jüngern und heiligen Frauen nach Maßgabe ihrer Reife zu solcher Erkenntnis mitteilen sollten. Zu Johannes allein aber sprach er mehreres, wovon ich mich jetzt nur entsinne, daß er länger als die anderen leben werde, und etwas von 7 Kirchen, von Kronen, Engeln und solchen tiefsinnigen Bildern, mit welchen er, wie ich glaube, eine gewisse Zeit bezeichnete. Die anderen Apostel fühlten eine leise Eifersucht bei diesem einzelnen Vertrauen. – (cpc)†

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