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Noe und seine Nachkommen

Anna Katherina Emmerick

Ich sah Noe, einen alten kindlichen Mann in einem langen weißen Gewande, in ein Obstbaumfeld gehen und mit einem krummen beinernen Messer die Bäume beschneiden. Es kam eine Wolke vor ihn, in welcher eine Menschengestalt erschien. Noe kniete, und ich sah, dass er inne ward, Gott wolle alles vertilgen, und er solle einen Kasten bauen. Ich sah Noe sehr traurig darüber und ich sah ihn beten um Verschonung. Er begann seine Arbeit nicht gleich, und noch zweimal erschien ihm der Herr und befahl ihm, den Bau anzufangen, sonst würde er auch mit vertilgt werden. Ich sah ihn dann mit seiner Familie aus dieser Gegend hinwegziehen nach dem Lande, wo Zoroaster, der Glanzstern, nachher gelebt hat. …

Noe und seine Familie bauten keine festen Häuser, weil sie an die Verheißung der Sündflut glaubten; das gottlose Volk aber rings umher hatte schon gemauerte Gehöfte, Grundlagen von dicken Steinwällen und allerlei Bauten für die Dauer und zum Widerstand.

Es war in jener Zeit ein schreckliches Treiben auf Erden. Die Menschen verübten alle Laster, selbst die unnatürlichsten. Jeder nahm und raubte, was ihm gefiel, und sie verwüsteten einander Häuser und Felder und raubten Weiber und Jungfrauen. Je weiter sich die Stammverwandten Noes vermehrten, umso verdorbener und boshafter wurden sie, und sie beraubten und ärgerten auch ihn. Die Menschen aber waren in diesen schlechtesten Sitten nicht als rohe, wilde Menschen, sondern sie waren so aus Lasterhaftigkeit; denn sie lebten ganz bequem und hatten alles geordnet. Sie trieben die schändlichste Abgötterei, jeder machte sich einen Götzen aus dem, was ihm dazu am besten gefiel. Sie suchten durch teuflische Künste die Kinder Noes zu verführen. …

Es ging eine lange Zeit über dem Bau der Arche hin, bis sie endlich fertig wurde. Noe stellte das Bauen oft viele Jahre lang ein. Dreimal wurde er von Gott neuerdings ermahnt; dann nahm er wieder Gehilfen an, ließ aber in Erwartung, Gott werde verschonen, die Arbeit immer wieder einschlafen, bis er endlich den Bau fertig machte.

Ich sah, dass an der Arche wie auch am Kreuze, viererlei Holz gewesen: Palm-, Ölbaum-, Zedern- und Zypressenholz, und ich sah sie das Holz fällen und bereiten gleich auf dem Platze, und wie Noe selbst das Holz auf seinen Schultern auf den Bauplatz trug, so wie Jesus sein Kreuz getragen. Der Bauplatz war ein Hügel, von einem Tal umgeben. Erst wurde unten der Grund gelegt. Die Arche war hinten rund, der Grund hohl wie eine Mulde und wurde verpicht. Die Arche hatte zwei Stockwerke, die Pfosten standen zwei übereinander. Sie waren hohl, es waren keine runden Baumstämme, sie waren etwa im Durchschnitt länglich rund und hatten inwendig ein weißes Mark, das faserig nach der Mitte zuging. Die Stämme hatten Rinnen oder Absätze, die großen Blätter wuchsen rings wie Schilf herum ohne Äste. (Wahrscheinlich eine Palmengattung.) Ich sah, dass sie mit Stempeln das Mark herausstießen. Alles andere schnitten sie zu dünnen Brettern. Als Noe alles hingetragen und geordnet hatte, begannen sie zu bauen. Der Grund ward gelegt und verpicht, die erste Reihe von Pfosten ward aufgestellt und die Löcher verpicht, worin sie zu stehen kamen. Dann kam der zweite Boden, darauf wieder eine Reihe von Pfosten, dann der dritte Boden und das Dach. Die Zwischenräume zwischen den Pfosten wurden mit den dünnen Brettern von bräunlichem und gelblichem Holz kreuzweise zu geflochten und alle Ritzen und Löcher mit Wolle von Bäumen und Pflanzen und einem weißen Moos, das um gewisse Bäume viel wuchs, zugestopft, und dann inwendig und auswendig mit Pech überstrichen. Sie war oben auch rund zu gewölbt; über der halben Höhe in der Mitte der Seite war die Türe und an beiden Seiten dieser Türe zwei Fenster, in der Mitte des Daches eine viereckige Öffnung. Als sie ganz verpicht war, glänzte sie wie ein Spiegel in der Sonne.

Nun arbeitete Noe noch lange ganz allein darin an den Abteilungen für die Tiere. Jedes hatte einen aparten, vom andern getrennten Raum, und es waren zwei Gänge durch die Mitte der Arche. Hinten im runden Teil der Arche war ein Altar von Holz, dessen Platte einen Halbkreis bildete. Es war eine Absonderung von Teppichen herum. Vor dem Altar war ein Becken mit Kohlen, was ihre Feuerung war. Da waren auch rechts und links Scheidewände für ihr Lager. Sie trugen nun allerlei Gerät und Kasten herein, viele Sämereien und Gewächse und Stauden in Erde an die Wände der Arche, welche ganz grün waren davon. Ich sah sie auch Reben mit armlangen, großen, gelben Trauben herein tragen.

Es ist nicht zu sagen, welche Leiden Noe unter dem Bauen hatte durch die Bosheit und Tücke der Arbeitsleute, die er mit Vieh bezahlte. Sie verachteten und verspotteten ihn auf alle Weise und nannten ihn einen Narren. Sie arbeiteten um guten Lohn, hörten aber nicht auf, zu lästern. Niemand wusste, für wen Noe den Kasten baute, und er litt viel Hohn deswegen. Ich sah, wie er fertig war und dankte, und wie Gott ihm erschien und sagte, er solle nach den vier Weltgegenden die Tiere mit einer Rohrpfeife rufen.

Je näher die Zeit des Gerichtes kam, desto finsterer ward der Himmel. Es war eine ungeheure Bangigkeit auf Erden; es schien keine Sonne mehr und ein schwerer Donner rollte immer. Ich sah Noe mit einer Rohrpfeife ein Stück Weges nach den vier Weltgegenden gehen und pfeifen, und sah nun die Tiere ordentlich und paarweise Männchen und Weibchen auf einer Brücke, welche an der Türe lag und nachher aufgezogen wurde, hineingehen, die großen Tiere, weiße Elefanten und Kamele gingen voran. Alle Tiere waren bange wie vor einem Gewitter; sie gingen mehrere Tage lang herbei. Die Vögel flogen fortwährend durch die offene Lucke hinein; die Wasservögel aber gingen unten in den Bauch des Schiffes, die Landtiere in den mittleren Raum. Die Vögel unter dem Dache saßen auf Stangen und in Käfigen. Vom Schlachtvieh kamen immer sieben Paare hinein.

Wenn man die fertige Arche von ferne auf der Höhe einsam liegen sah, so sah sie bläulich glänzend aus, als komme sie aus den Wolken. Ich sah die Zeit der Sündflut nahe. Noe hatte sie den Seinen schon verkündet. Er nahm Sem, Cham und Japhet mit ihren Frauen und Abkömmlingen mit. Es waren Enkel von fünfzig bis achtzig Jahren, und von diesen kleine und große Kinder in der Arche. Alle, die an ihr gebaut und gut und frei von Abgötterei geblieben waren, kamen hinein. Es waren über hundert Menschen, was schon wegen der vielen Tiere notwendig war, denen täglich Futter gegeben und ausgereinigt wurde. Ich kann nicht anders sagen, ich sehe es immer, dass auch die Kinder von Sem, Cham und Japhet mit in der Arche waren; ich sehe viele Mägdelein und Knaben darin, alle Nachkommen Noes, die gut waren. In der Schrift stehen auch keine Kinder Adams außer Kain, Abel und Seth, und doch sehe ich noch viele dazwischen und immer paarweise, Knaben und Mägdelein. Ähnlich werden auch im ersten Briefe Petri 3, 20 nur acht Seelen als in der Arche befindlich erwähnt, nämlich die vier Stammpaare, aus denen nach der Sündflut die Erde bevölkert wurde. …

Als die Arche sich im Wasser erhob und viele Menschen ringsumher auf Bergen und hohen Bäumen wimmerten, auch Leichname und Bäume angeschwommen kamen, waren Noe und die Seinigen schon darin. Ehe Noe mit seinem Weibe, seinen drei Söhnen und ihren Weibern in sie einzog, flehte er noch zu Gott um Erbarmen. Sie zogen die Brücke nach sich und schlossen die Türe. Alles ließ er zurück, selbst nahe Verwandte und ihre kleinen Kinder, welche während des Baues sich von ihm entfernt hatten. Es brach ein schreckliches Gewitter herein, die Blitze stürzten wie Feuersäulen nieder und die Regenstrahlen waren so dicht wie Bäche. Die Höhe, auf der die Arche stand, ward bald eine Insel. Das Elend war so groß, dass ich hoffe, es werden sich doch noch viele Menschen bekehrt haben. Ich sah einen schwarzen Teufel in schrecklicher Gestalt mit spitzem Rachen und langem Schweife durch das Wetter hin und her fahren und die Menschen zur Verzweiflung treiben. Kröten und Schlangen suchten hie und da ihre Winkel in der Arche. Mücken und Ungeziefer habe ich nicht gesehen; das ist nachher den Menschen zur Plage entstanden.

 

Ich sah Noe in der Arche Rauchopfer bringen; sein Altar war mit Weiß über Rot bedeckt. Er hatte in einem gewölbten Kasten mehrere Gebeine Adams, welche er beim Gebet und Opfer auf dem Altar aufstellte. Ich sah auch über dem Altar den Kelch des Abendmahles, welcher während des Baues dem Noe von drei Gestalten in langen, weißen Gewändern, wie die drei Männer, welche zu Abraham kamen und ihm die Geburt eines Sohnes verkündeten, gebracht worden war. Sie kamen aus einer Stadt, die bei der Sündflut zugrunde ging, und sprachen zu Noe, er sei ein so ruhmvoller Mann, da sei etwas Geheimnisvolles, das er mitnehmen solle, damit es in der Flut nicht verlorengehe. In dem Kelche lag ein Weizenkorn, groß wie ein Sonnenblumenkern, und ein Rebzweig. Noe steckte beides in einen gelben Apfel, den er in den Kelch legte, auf dem kein Deckel war. Es musste der Zweig herauswachsen. Nach der Trennung beim Turmbau sah ich den Kelch bei einem Nachkommen Sems im Lande der Semiramis, dem Stammvater der Samanen, die durch Melchisedech nach Kanaan versetzt wurden und den Kelch dahin mitbrachten.

Ich habe die Arche schweben und viele Leichname schwimmen sehen. Sie ließ sich auf einem hohen Gebirge weit gegen Morgen von Syrien nieder, das einsam liegt und sehr felsig ist. Sie hat lange da gestanden. Ich sah schon Land hervorgetaucht; es lag Schlamm darauf mit Grün wie mit Schimmel überdeckt.

Im Anfang nach der Sündflut aßen sie Muscheln und Fische; Brot und Vögel aber, als sie sich schon vermehrt hatten. Sie pflanzten Gärten und der Boden war so fruchtbar, dass der Weizen, den sie säten, so starke Ähren hatte, wie das türkische Korn. … Das Zelt Noes stand, auf die Art wie später das Zelt Abraham, in der Ebene, und rings in der Umgegend hatten Noes Söhne ihre Zelte.

Ich sah die Verfluchung Chams; Sem und Japhet aber empfingen von Noe, da sie vor ihm knieten, den Segen, wie ich später Abraham diesen Segen dem Isaak übergeben sah. Den Fluch, den Noe über Cham aussprach, sah ich, wie eine schwarze Wolke gegen diesen fahren und ihn verfinstern. Er war nicht mehr so weiß, wie zuvor. Seine Sünde war die einer Sakramentsschändung, wie die eines Menschen, der in die Arche des Bundes dringen wollte. Ich sah von Cham ein sehr verdorbenes Geschlecht herstammen, das immer tiefer in die Verfinsterung geriet. Ich sehe die schwarzen, heidnischen und ganz stupiden Völker als Abkömmlinge von Cham, und dass ihre Farbe nicht durch die Sonne, sondern aus dem finstern Ursprunge der verdorbenen Rasse entstanden ist.

Es ist nicht möglich auszusprechen, wie ich die Völker sich mehren und ausbreiten und auf alle Art sich verfinstern sah, und wie aus ihnen doch wieder mancher lichte Faden ausströmte und das Licht suchte.  - Geheimnisse des Alten Bundes

- 16120146. 0513 -

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