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Sonderblatt Nr. 27/98

Der Weg des Priesters ist die Nachfolge Jesu Christi

Botschaft für Pater Hansjörg Bitterlich vom 28. Januar 1951

Der Herr hat uns alle Phasen irdischen Lebens vorgelebt. Er ist im dunklen Schoß der Mutter gelegen wie andere Kinder und hat dadurch in seiner Mutter alle Mütter in seine Liebe hineingenommen. Er hat die Kindheit mitgemacht wie andere Kinder und hat gelernt und gespielt. Er wußte genau um dieses Alter, als er später sagte: „... wehret ihnen nicht, denn ihrer ist das Himmelreich“. Und dann ist er vierzig Tage in die Stille gegangen und hat sich auf den Schritt in die Welt, auf sein Lehramt gesammelt, vorbereitet. Das sind die stillen Jahre der Besinnung, der Studien, ja wohl auch der Dunkelheiten und inneren Kämpfe, wo man sich wie in einer Wüste vorkommt und glaubt, daß einen niemand verstünde und einem niemand helfen kann. Und dann kommt das Zagen vor der Schwere der Last.

Wovor zagt der junge Mensch im Seminar? Heute ist der Priester kein angesehener Mann mehr. Heute gehört der Priester zu den schlecht bezahltesten aller Arbeiter. Heute winkt dem Priester eher das Kerkergitter als fette Pfründe, als ein geruhsames Alter oder eine lila Kirchenwürde. Heute fordert das Hirtenamt, wenn es wahre Nachfolge Christi sein soll, das Letzte vom Menschen, seine äußerste Arbeitskraft, seine höchste Opferfähigkeit

Aber davor soll der junge Mensch nicht zittern. Zittern muß er, das ungeheure Pfund. seinen Gott, in die Hände gelegt zu bekommen, zittern muß er vor der Macht. die er über Gott bekommt. Gott durch ein bloßes Wort auf die Erde zwingen zu können. Das ist Verantwortung, die unter der strengsten Gerechtigkeit Gottes steht. Zittern soll der Mensch, weil er als Priester das strengste Gericht zu erwarten hat, da er die größte Macht auf Erden besitzt.

Aber so erschreckend die Gerechtigkeit Gottes ist, so unendlich beseligend ist die Liebe und Güte, die Barmherzigkeit und Fürsorge Gottes. Er steht ja für dich am Altar und spricht für dich die Worte, du mußt ihn nur bitten und einladen. Er trägt sich in dir zu den Kranken, er legt dich zu sich auf die Patene als Opfergabe. Er kommt zu dir und sagt jedesmal, ehe er in dich eingeht: „Hansjörg, liebst du mich?“ Nichts wird ihn aufhalten, dich wahrhaft göttlich zu lieben, wenn nur du wie ein Kind zusammen mit deinem Engel die Hände nach ihm ausstreckst.

Er hat dich schon bei deiner Geburt gerufen. Damals hat dich die Mutter gesehen, sitzend als Kind in der Geborgenheit des großes Domes der hl. Kirche, in der Obhut deines großen priesterlichen Engels mit der gekreuzten Stola und du hast mit deinem Engel ein großes Buch über die Herrlichkeiten des Reiches Gottes im Himmel und auf Erden angesehen.

Dieser große Engel, du hast in Habakuk genannt, ist immer noch bei dir. Seine gekreuzte Stola deutete schon damals auf den Priesterstand seines Schützlings. Aber du weißt, daß ich dich nie gedrängt oder beeinflußt habe, daß ich dich wachsen ließ im Anhauch Gottes, bist du selbst fühlst, wer dich ruft und wohin du gehen sollst.

Dein Weg ist die Nachfolge Christi als alter (anderer) Christus. Dieser Weg ist schwer, aber königlich. Das „schwer“ gilt vor den Augen der Welt, das „königlich“ gilt vor den Augen Gottes, der Himmelskönigin, welche von jetzt an im besonderen Maß deine Mutter wird - und aller Engel und Heiligen.

Wie kannst du die Schwere des Weges (geht er nicht über die passio, zumindest als via passiva, nach Golgotha?) bezwingen und wie kannst du ihn königlich machen? Mach es so, mein Kind, mache ihn erst königlich und dann spürst du nicht, ob und in welchem Maß er schwer ist.

Königlich machst du ihn, wenn du selbst eine blanke, goldene Patene wirst, ein goldner Kelch, darein sich Gott legt. Blank wirst du, wenn du dich sorgsam sauber hältst vor jeder Sünde und jeder Selbstbeschönigung, jede Ausrede, jede Gleichgültigkeit, jede noch so schwache selbstverschuldete Dunkelheit oder Verworrenheit mit möglichster Strenge auszumerzen versuchst, wenn du das hl. Bußsakrament oft und oft benützest und dich bewußt deinem Beichtvater in aller Wahrheit öffnest und unterordnest. Siehe, der Priester spendet so oft dieses heilige Sakrament der Buße und bedenkt so wenig, daß er dessen noch viel, viel mehr bedarf als der einfache Christ mit seinem einen Pfund, daß er die Verdemütigung des Hinknieens wie ein armer Sünder notwendiger braucht als viele seiner Untergebenen. Wie tief hat sich unser Herr unter die Landsknechte gebeugt, die ihn bespien und verhöhnten! Alle Engel haben zugeschaut. Unsere menschlichen Makel, die Labilität, die Empfindlichkeit, die Unentschlossenheit, die Wahrheitsschwankungen, das sind alles nur Schatten, aber zu einer goldenen Widerspiegelung müssen auch sie weg.

Patene wirst du durch deine Bereitschaft, Tag und Nacht. Wie der Knecht, den der Herr zu jeder Stunde wachend findet, so mußt du dein Angesicht Gott entgegenhalten. Du mußt schon in deinem Angesicht die Widerspiegelung des Angesichtes Gottes tragen, du mußt von innen her leuchten als anima candida (unberührte Seele), dann bist du die rechte Patene. Ob du golden bist, das mußt du deinen himmlischen Prüfungskommissaren überlassen; halte dich immer ganz ehrlich für einen unnützen Knecht, für eine tönerne Scherbe, der Letzte, wenn es zum Lob kommt und der Erste, wenn Arbeit vergeben wird, dann hat dich der göttliche Goldschmied schon in der Arbeit.

Vorbild sei dir der hl. Pfarrer von Ars in seiner Demut, in seinem Gottvertrauen, in seinem Pflichteifer, in seiner einfachen Wesenheit, dann wirst du der Kelch, der mit seinem ganzen Sein das lebendige Blut des Herrn trägt und in sich aufnimmt.

Das alles lernt sich nicht von einem Tag zum anderen, das ist ein Lebensprogramm, das Lebensprogramm. Mit diesem trägst du deine Pfunde auf dem Kreuzweg des Lebens deinem Herrn nach. Das größte Pfund, das weißt du! Das nächstgrößte Pfund ist das Hirtenamt, der Dienst am lebendigen Leib Jesu Christi, in der Seelsorge, überall dort, wohin dich Gott stellt. Die Not an wahren Priestern schreit zum Himmel und du wirst zuerst in diese Not hinein müssen, knietief hinein müssen und den Herrn retten aus Sumpf und Glut und Dreck und Dornen und Steinen. Das werden deine ersten Kreuzwegstationen sein.

Im ersten und im zweiten Pfund verankert liegt dein drittes Pfund, das Engelpfund. Gott tut nichts ohne Sinn und daß er die diese große Welt der heiligen Engel aufgeschlossen hat, das wird auch seines tiefen Sinnes nicht entbehren. Du sollst die Liebe zum dreieinigen Gott, zu Maria, unserer Herrin und Königin, durch die hl. Engel noch viel intensiver lernen; du sollst gleich den Engeln dein Angesicht nie vom Angesicht Gottes abwenden, du sollst von den Engeln die Treue, den Gehorsam und das heilige Schweigen lernen, du sollst Schutzengel sein auch als alter (anderer) Christus, denn im Schutzengel lebst du Maria den Menschen vor und die Menschen brauchen heutzutage das Vor-Leben, das Vor-Lieben, das Vor-Sterben.

Durch deinen heiligen Schutzengel wirst du in aller Macht an die hl. Kirche gebunden, dort allein ist deine Heimat, jeder Tabernakel ist dir Heimat. Obwohl er ein Engel der Statik ist und diese Statik besonders in deiner Kindheit stark zum Ausdruck kam, ist der Machtbereich „Quelle des Lebens“ der Statik entgegengesetzt, ist voller Lebendigkeit. Dies betont auch dein Weihengel, der als Symbol Schwert und Kreuz führt. Das Schwert ist das lebendige, das in die Tiefe fährt, das Symbol für Ringen und Kämpfen, für das Raumschaffen für Leben und Lieben in Gott. Das Kreuz ist das statische, das aus der Tiefe zum Herzen Gottes aufragt, das der Welt Torheit bedeutet und allen in der Nachfolge Christi Sieg und Trost und Kraft. Das Kreuz siegt im Besiegtwerden, im Leiden und im Schweigen, es hat den Endsieg.

Und so wirst du in deinem Leben einmal aus dem einen Engelpfund, dem Schweigen und Gehorchen und der Treue schöpfen und dann wieder aus dem anderen, der glühenden, zündenden Liebe, dem klaren überzeugten Wort. So wirst du schon mitten in der Seelsorge den Engelorden zu leben beginnen, den alter Angelus in der Pfarrfamilie, den alter Christus im hl. Meßopfer und den Knecht, die Asche in der Verborgenheit. Niemals soll hier irgendeine Prophezeiung stehen, es soll genügen, jeden Tag aufs neue immer und immer wieder in aller Kindlichkeit zu beten: „Herr, alles nach deinem Willen, zu deiner Ehre, in deiner Liebe.“ Dann wird dein Leben immer zeitloser und immer wunschloser werden. Es wird, in den Reihen der hl. Engel, nach und nach eine völlig andere Prägung bekommen, es wird Kelch der Engel für unseren Herrn werden und dein Blut wird sein Blut werden.

Anmerkung: Die an Mutter Bitterlich gerichteten Botschaften wurden von der Kirche bisher nicht anerkannt. Rom prüfte jedoch alle Texte und fand nichts, was der Lehre der Kirche widersprochen hätte. – (cpc)† - 

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