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Kreuzweg für die Jugend

Gabriele Bitterlich

1. Die Jugend von heute ist schon weithin von modernen Giften durchseucht, die ihr im schillernden Saft aus den Kommunikationsmitteln angeboten werden. Sie wird vielfach ohne Charaktererziehung zu einer unreifen Urteilsbildung und Verantwortung zugelassen, sie wird sich selbst überlassen, dass sie „sich selbst erziehe“. Sie wählt, was sie an Reizwirkung an sich selbst verspürt, vor allem den Reiz. Es reizt sie, am Rand des Abgrunds zu balancieren; es reizt sie alles Extreme, Überspannte, auch Unmoralische; es reizt sie, zu verneinen, das Entgegengesetzte, Verbotene zu tun. Es reizt sie, als gottlos, pervers zu gelten. Das erste Todesurteil wird gefällt, ganz öffentlich, über ihre Unschuld. Der Erwachsene fördert und beschleunigt dieses Todesurteil.

Herr, als Dein Todesurteil gesprochen wurde, hast Du auch diese Jugend von heute gesehen, mit den wissenden, abgelebten Zügen. Auch für sie hast Du Dich zum Tod verurteilen lassen. Auch für sie hast Du Dir Deinen weißen, ungenähten Leibrock besudeln lassen. - Was habe ich beigetragen, dass die Jugend solche Augen hat? Habe auch ich Rechenschaft für sie abzulegen? Was habe ich nicht zur Rettung getan? Was habe ich zu wenig getan? - Erbarme Dich, Herr, erbarme Dich unser!

2. Das Kind ist heute vielfach nicht mehr gewollt. Wer es schützen will, wird mit Kot beworfen. Es verliert oft schon im Mutterleib das Haus für seine Seele. Wenn es zum Leben kommt, betritt es eine Verdienerwelt, eine Reklamewelt, eine materialistische Welt. Niemand hat mehr Zeit noch Lust, dem Kind die Händchen zu falten und es das Beten zu lehren. Das erweist eine Umfrage eines unserer Brüder im Religionsunterricht der ersten Klasse, wo von fünfzig Kindern nur drei von einem Kreuzzeichen wussten und nur eines vom Vaterunser. Das Kind wächst auf wie ein Hündlein, nur zu oft als Schlüsselkind auf der Straße und in den Höfen der Mietshäuser. Es muss das Kreuz des Verlustes einer Geborgenheit in der Familie auf sich nehmen. Denn am Wochenende ist nicht die Familie, sondern die Reise im Mittelpunkt, das Nomadenleben, das moderne Zigeunertum.

Vater, Mutter, Erzieher, wie helfet ihr der Jugend dieses Kreuz tragen? Wo lernt diese Jugend die Ordnung, die Zeiteinteilung, die Pflichterfüllung, den Familiensinn? Welche Last der Verantwortung laden euch die eigenen Kinder und Schüler auf eure Schultern, wenn ihr kein Vorbild seid? Was der Mensch nicht in seiner Jugend durch Erziehung lernt, das haftet später nicht mehr, weil der Sinn verkümmert ist: Der Sinn für Ordnung und Harmonie, der Sinn für das Religiöse und die ewigen Werte. Ihr selber schickt eure Kinder auf den Kreuzweg des Verlustes, der mit Glaubens- und Morallosigkeit, wenn nicht mit Sterilität und Kurzschluss endet. - Erbarme Dich, Herr, erbarme Dich unser!

3. Wenn das Kind unausgeschlafen, mit verschleierten Augen und scheu im Unterricht sitzt und keine Antwort weiß: Was tust du, Priester, um ihm aufzuhelfen? Du trägst eine schlechte Note ein, du machst einen schlechten Witz, du stellst es an den Pranger durch deinen Tadel. Hast du die Symptome studiert, diese dir ausweichenden Augen, diese unruhigen Hände? Was sagen sie dir? Wie viel hast du für dieses Kind gebetet? Hast du dich um sein elterliches Sein und Tun gekümmert? Hast du dich überzeugt, wo es schläft, wo es lernt? Nach seinem Umgang? Hast du ein größeres sauberes Kind aufmerksam gemacht, diesem armen Stütze zu sein? Ein kleiner Fall ohne Hilfeleistung zum Wiederaufstehen wird leicht wiederholt und ist oft die Ursache von schwersten Gewohnheitssünden und einem verpfuschten Leben. - Erbarme Dich, Herr, erbarme Dich unser!

4. Gott hat das Kind zwischen Vater und Mutter gestellt. Wie oft versagt heute ein Elternteil. Er kann nicht erziehen, weil der Beruf alle Zeit und Kraft verbraucht. Er kann nicht erziehen, weil er selber nicht erzogen wurde zu einem Beispielgeben. Er hat weder Fähigkeit noch Lust, sich mit Erziehung abzuplagen; dazu sind Internate da. Vor allem will er sich nicht noch durch das Kind etwa erziehen lassen, zu einem Opfer, einem Verzicht aus Rücksicht, zum Ablegen von störenden Gewohnheitsfehlern, zum Abändern eines Planes. Alle diese Narben an einer Kinderseele weisen die Nichtbeachtung des Vierten Gebotes nach, das nicht nur den Kindern, sondern ebenso auch den Eltern gilt. Keine Zeit ist so wichtig und vergeht so schnell wie die Erziehung. Nichts hat solche Generationenfolgen wie die Erziehung des jungen Menschen; denn das Kind von heute ist der Vater, die Mutter von morgen. Und was es gelernt oder nicht gelernt hat in seiner Jugend, das praktiziert es im Leben. Wisse um die Verantwortung und handle danach! - Erbarme Dich, Herr, erbarme Dich! Lasse Deine Mutter neben allen solchen armen Kindern stehen und helfen!

5. Aus dem innersten und heute so angeschlagenen Kern der Familie tritt das Kind in den weiten Schulkreis der beruflichen Ausbildung. Welche Verantwortung für alle Lehrkräfte! Denn der junge Mensch soll nicht nur mit Fachwissen gefüttert werden, er soll für ein hochwertiges Menschsein heranwachsen. Wo es halbwegs möglich ist, sollen niemals Atheisten und Menschen mit leichter Moral in Schulen angestellt werden, sondern mindestens ein Gottverbundener sollte sich um das Recht der Seele auf Gott und auf das Gute kümmern müssen. „Man muss diese Jugend nur laufen lassen“, sagen Eltern und Erzieher oft, „sie will sich ihr Leben allein bauen.“ Das ist ein Trugschluss. Jugend ist begeisterungsfähig und gemeinschaftsfreudig, bei aller Widerspenstigkeit anlehnungsbedürftig und nachahmungsbereit. Man muss sie fesseln können und begeistern, man muss sie bei ihren eigenen Ideen und Idealen packen, dann lässt sie sich auf die kühnsten Höhen führen. Hier sei Simon, hier sei erfinderisch im Helfen, sei es bei Jungen oder Alten. Betet, betet, dass eure Kinder nicht einmal eure Richter werden! - Erbarme Dich, Herr, erbarme Dich unser!

6. Jugend hat Mut. Jugend kann zu Bekennermut und Treue, zu großen sittlichen Leistungen erzogen werden, wenn sie richtig geführt wird. Alle seid ihr dazu aufgerufen, die ihr mit der Jugend zu tun habt. Jeder kann auf seinem Platz und in seinem Beruf „Schutzengel“ sein. Hätten wir unsere Erzieherpflicht rechtzeitig und in Ausdauer ernst genommen, gäbe es heute keine Beatles und Fans in der Kirche bis in alle Gemeinschaften hinein. Wir hätten eine Jugend, die sich gegen alle Zersetzung wehrt. Die Jugend von 1940 in unseren Ländern ist auch nicht plötzlich aus dem Boden gestampft worden, sondern an Leitbildern erzogen und praktisch gestählt. Heute ist die Zeit viel gefahrdrohender, weil sie von innen her die Substanz der Kirche aushöhlt. Fanget heute an, der Jugend zu helfen! - Erbarme Dich, Herr, erbarme Dich unser!

7. Und da ist die Jugend, von eigenen Führern in die Morallosigkeit getrieben, vor ihrer ersten Krise: Mord oder Fahrerflucht. Wer hilft den Schreckerstarrten, Verzweifelten? Wer ist zuerst da bei ihnen? Die helfenden Eltern und Priester - oder der grinsende Dämon? Die staatlichen Erziehungsheime und Jugend- „Bewahrstätten“ sind Ballungen von KZs leichteren Grades ohne religiösen Einfluss und Lebens-Umschulung. Brüder, Schwestern, setzet wenigstens dort den Hebel an und rettet diese Jugend. Mit bloßem Arbeitgeben ist es nicht getan, vielmehr braucht die verwahrloste Seele die Pflege, das Bewusstsein des Verstandenwerdens, des Aufhelfenwollens. Auch diese jungen Menschen, oft noch unreif, halb Kind - halb Verbrecher, fallen unter das Wort Christi von den Mühlsteinen. - Erbarme Dich, Herr, erbarme Dich auch unser, dass wir nie schuldig daran werden, an dieser Not gleichgültig und kalt vorübergegangen zu sein!

8. Es würde eine Legionenschar ergeben, könnte man alle die weinenden Mütter erfassen, deren Kinder daneben gerieten. Viele Gramerfüllte tragen das schwere Kreuz, nicht helfen zu können; viele aber haben das noch schwerere Kreuz - wie Blei - aufgeladen, selber mitschuldig geworden zu sein an dem geistigen Tod ihrer Kinder. Das „Zuwenig“ hat sie abgewürgt. 0 ihr armen Mütter, wie viel Steine werfen jetzt eure eigenen Kinder auf euch: „Sie hat mich nie geliebt.“ „Sie hat sich nie um mich gekümmert.“ „Sie hat mich nie verstanden.“ Wolken solcher Anklagen steigen aus den Beichtkammern oder Gerichtssälen auf zum Himmel. Tuet Buße, ihr Mitschuldigen, Gott nimmt Sich der reumütigen Sünder an. Sucht Genugtuung zu leisten, wo und wie ihr könnt! Werfet keine Steine auf eure Kinder oder jene, die sie verurteilen mussten. Wartet mit offenen Armen, wenn eins der Kinder heimfindet, und vergeltet nicht mit Härte und Fluch. Schenket verzeihende Liebe, dann wird auch Gott euch verzeihen. - Erbarme Dich, Herr, erbarme Dich unser! – (cpc) †

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