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Ein unglaublicher Fall von Besessenheit

In Deutschland wurde die teuflische Besessenheit zuletzt durch Anneliese Michel weltweit bekannt und von Theologen als markanten Hinweis Gottes verstanden, dass die Macht des Teufels auch heute ungebrochen ist. Doch die katholische Kirche - speziell die Bischöfe und Priester - ignorieren Fälle der Besessenheit und hören eher auf das Urteil von Psychologen. Der Fall des Antoine Gay erregte weit über die Grenzen Frankreichs hinaus die Gemüter. Sogar der berühmte Pfarrer von Ars war davon überzeugt, dass es sich um teuflische Besessenheit gehandelt hat. Es kam aber nie zu einem Exorzismus, weil viele Beteiligte glaubten, dass Gott auch in diesem Fall eine besondere Lektion erteilen wollte.

Der Fall des Antoine Gay (1790 -1871)

Antoine Gay wurde in Lantenay im Department von Ain am 31. Mai 1790 geboren. Er wurde am folgenden Tag getauft. Seine Taufbescheinigung liegt vor, und daraus ergibt sich, dass sein Vater ein öffentlicher Notar in Lantenay, einem kleinen Ort im Kanton von Brénod im Distrikt von Nantua, gewesen ist. Der Knabe erhielt eine solide Grundausbildung und wurde ein hervorragender Tischler. Nachdem er seinen Militärdienst abgeleistet hatte, ließ er sich in Lyon nieder.

Er war ein verhältnismäßig gut aussehender Mann, groß, dunkelhaarig mit regelmäßigen Gesichtszügen, die Freundlichkeit und Ruhe ausstrahlten. Die antiklerikalen Aufstände der Französischen Revolution hatten auf seine religiöse Entwicklung keinerlei Einfluss. Er war ein frommer Mann und hatte seit frühester Jugend den Wunsch geäußert, in ein Kloster einzutreten und Mönch zu werden.

Aus unbekannten Gründen verzögerte sich sein Eintritt ins Kloster, und erst im Jahre 1846, im Alter von 46 Jahren, bat er darum in das Kloster von La Trappe d'Aiguebelle aufgenommen zu werden. Er wurde Laienbruder.

Einige Zeit später musste er das Kloster wegen eines Nervenleidens, dessen wahre Ursache damals noch nicht erkannt wurde, jedoch wieder verlassen. Jene, die ihn später kennenlernten, sind davon überzeugt, dass dieses „Nervenleiden“ nichts anderes als Besessenheit gewesen ist. Der Dämon, der ihn besetzt hatte, musste später zugeben, dass er ohne Kenntnis anderer, insbesondere ohne Wissen Gays, dessen Körper bereits seit fünfzehn Jahren besetzt hatte.

Als er La Trappe verließ, wurden die Anzeichen der Besessenheit jedoch zunehmend deutlicher. Im Jahre 1837 litt Antoine Gray fürchterliche Qualen. Der Teufel hatte sich seiner vollends bemächtigt.

Beweise

Es ist angebracht, eine solche Feststellung mit Beweisen zu untermauern. Betrachten wir zunächst die dokumentarischen Beweise. Die Veröffentlichung von Gruninger enthält einen von P. Burnoud, ehemaliger Superior der Missionare von La Salette, an Msgr. Ginoulhiac, damaliger Bischof von Grenoble, gerichteten Bericht, in dem es heißt:

„Wir haben Herrn Gay aus Lyon dreimal untersucht. Jede dieser Sitzungen hat ein bis zwei Stunden gedauert. Wir halten es durchaus für möglich und wahrscheinlich, dass dieser Mann vom Teufel besessen ist. Unsere Meinung stützt sich auf folgende Gründe: Er hat mehrere geheime Dinge offenbart, von denen er keinerlei Kenntnis haben konnte, beim Zitieren religiöser Texte und Gebete in Latein waren die Anzeichen des Unbehagens bei Gay unverkennbar. Da es unbestreitbar feststeht, dass Gay die lateinische Sprache nicht beherrscht, ist dieses deutliche Unbehagen angesichts der Umstände mit präternaturalem Wirken, mit der Gegenwart einer höheren Intelligenz, zu erklären, wir haben ihn mehrfach in Latein befragt, und da die Anworten in Französisch aus dem Mund von Gay kamen, war offenkundig, dass die lateinisch gestellten Fragen von einer höheren Intelligenz verstanden worden waren, der gute Glaube, die Tugend und Ernsthaftigkeit Antoine Gays wird von zahlreichen glaubwürdigen Zeugen immer wieder bestätigt. Wenn diese Zeugnisse wahr sind, macht Gay uns nichts vor: In diesem Fall muss er besessen sein...“

Die von Herrn Burnoud in diesem Dokument gezogene Schlussfolgerung geht jedoch lediglich von einer „großen Wahrscheinlichkeit“ (der Besessenheit) aus. Nichtsdestoweniger verfolgte er den Fall mit großem Interesse weiter. In einem Schreiben von Herrn Houzelot an Herrn Blanc finden wir folgende Aussage: „Ich sah Pater Burnoud, als er der leitende Priester von Vinay war. Er teilte mir mit, dass er, nachdem er Herrn Gay sorgfältigst untersucht hatte, davon überzeugt war, dass dieser in der Tat besessen sei.“

Es folgt ein ärztliches Attest von Dr. Picet vom 12. November 1843:

„Es ist uns nicht gelungen, auch nur das geringste Anzeichen einer moralischen oder physischen Schwäche zu diagnostizieren. Im Gegenteil, er erfreut sich bester Gesundheit des Körpers und des Geistes. Herr Gay besitzt ein ungewöhnlich ausgeprägtes Urteilsvermögen. Niemals konnten irgendwelche Ausfallerscheinungen beobachtet werden. Nicht einmal in extremen Krisen, die sich regelmäßig und unerwartet unter dem Einfluss irgendeiner okkulten Macht einstellten. Einer okkulten Macht, die wir mit medizinischen Begriffen nicht einordnen können. Es ist eine Kraft, die sich seines Körpers bemächtigt hat und sich, unabhängig vom Willen des Probanden, durch seinen Mund artikuliert. Außerdem bestätigen wir, dass wir zusammen mit Herrn Gay den Heiligen Geist um Beistand angerufen haben, und wir sind mehr denn je davon überzeugt, dass der außergewöhnliche Zustand des Patienten nur auf eine dämonische Besessenheit zurückgeführt werden kann. Diese Überzeugung stützt sich insbesondere auf die Tatsache, dass während unseres ersten Gesprächs mit Herrn Gay dieses außergewöhnliche Wesen, das durch seinen Mund spricht, uns die geheimsten Dinge unseres Herzens offenbarte, unsere Lebensgeschichte und Werdegang seit dem 12. Lebensjahr mitgeteilt, und Kenntnis über Dinge hat, die nur Gott, unser Beichtvater und wir selbst wissen können. Und wir waren Zeuge, als genau dasselbe mit anderen Personen geschah, von denen sich viele bekehrten.“

Warum kein Exorzismus?

Nach einem solchen ärztlichen Attest muss es erstaunen, dass sich der Erzbischof nicht imstande sah, einen Exorzismus anzuordnen. Es erfolgte trotz aller vorliegenden Beweise niemals ein Exorzismus. Unter Würdigung aller Umstände kann man nur zu der Schlussfolgerung gelangen, dass es sich hier um den Willen Gottes gehandelt hat. Wir sollten den wiederholten Versicherungen des Hauptdämons, der von Antoine Gay Besitz ergriffen hatte, Glauben schenken. Er wurde nie müde zu verkünden, vielleicht mit dem gewissen Element des Stolzes, der allen Dämonen eigen ist, dass „dieser Fall von Besessenheit der außergewöhnlichste Fall sei, den es jemals gegeben hat“.

Das Außergewöhnliche an diesem Fall ist der Umstand, dass der Teufel sich hier sozusagen „im Dienst“ befand. Er gehorchte den Befehlen Gottes, und aus diesem Grund ließ Gottes nicht zu, dass er ausgetrieben wurde.

In dem bereits zuvor erwähnten Brief von Herrn Houzelot an Herrn Blanc finden wir die folgenden Angaben:

„Ich war anwesend, als Priester dem Teufel außerordentlich schwierige Fragen gestellt haben. Die Antworten kamen sofort und waren stets richtig, wie die Priester mir gegenüber selbst zugegeben haben. Ich habe den Teufel weinen sehen, wenn er gezwungen wurde, die Wahrheit der christlichen Religion zu bekennen oder einen guten Ratschlag zu geben oder Beweise für die Besessenheit zu liefern.“

Im Herbst 1843, nach den langen Untersuchungen und Beobachtungen Dr. Picets, versuchten Gays Freunde, ihn wieder im Kloster La Trappe unterzubringen, wo er bereits sieben Jahre zuvor ein Laienbruder gewesen war. Als erstes wurde der Abt darum gebeten, einen Exorzismus durchzuführen. Aber er hatte Einwände und Bedenken mit der Begründung, dass er sich in der Diözese von Valence befand, während Antoine Gay aus der Diözese Lyon stammte. Der Abt war jedoch vom Vorliegen einer Besessenheit völlig überzeugt und schickte Gay zu seinem Freund, dem Prior der Brüder von Privas, in die benachbarte Diözese von Viviers. Dort verblieb Gay 22 Tage, in deren Verlauf sich viele Anzeichen der Besessenheit manifestierten. Schließlich kehrte er nach Lyon zurück. Ein Exorzismus war nicht durchgeführt worden.

Von 1844 bis 1847 lebte er in Lyon in der Rue des Maccabées Nr. 72, in der Nähe der Kirche der hl. Irene. Gelegentlich wurde er beim Spaziergang in der Stadt gesehen, wobei er mit den Händen gestikulierte und Wörter in einer unbekannten Sprache stammelte. Eines Tages wurde er als „Verrückter“ verhaftet und für drei Monate in der Antiquaille festgehalten. Zwar wurde er durch den unermüdlichen Einsatz einiger Freunde wieder in die Freiheit entlassen, aber ein Exorzismus wurde nicht durchgeführt. Im Jahre 1845 wurde Gay dem Erzbischof Msgr. Bonald durch zwei Priester vorgestellt. Der Bischof empfing Gay freundlich und versprach, dessen Fall zu seiner persönlichen Angelegenheit zu machen. Dabei blieb es.

Pater Chiron

Eine neue Entwicklung zeichnete sich ab, als Gay in der Person von Pater Marie-Joesph Chiron, eines heiligmäßigen Mannes, einen neuen Beschützer fand. Pater Chiron, dessen Andenken in der Diözese Viviers in Ehren gehalten wird, schien für diese Aufgabe besonders geeignet zu sein. Er hatte eine Kommunität gegründet, deren Hauptanliegen es war, sich um die Geisteskranken zu kümmern. Niemals glaubte er, Gay könnte geisteskrank sein, sondern war stets davon überzeugt, dass dieser besessen sei. Er machte es sich zu seiner Aufgabe, ihm soweit zu helfen, wie Gott es zulassen würde. Inzwischen war Gay dem Dritten Orden der Franziskaner unter dem Namen Bruder Joseph-Marie beigetreten.

Im Jahre 1850 begab sich Pater Chiron mit Gay auf die Reise zum Kloster von Vernette-les-Bains in der Diözese Perpignan, um ihn dem Bischof vorzustellen und die Erlaubnis zum Exorzismus einzuholen. Wiederum gelang das Vorhaben nicht, und niemand weiß, woran es diesmal scheiterte.

Das Streitgespräch von Perpignan

In Perpignan kümmerte sich Pater Chiron um eine Frau, Mutter von drei Kindern, die seit mehr als zwanzig Jahren besessen war. Die ganze Gemeinde hatte sie wiederholt in einer Höhe von 70 Zentimetern über dem Boden schweben sehen - eine Vorstellung, die später auch bei einer anderen Besessenen beobachtet worden ist. Während seines Aufenthalts im Haus dieser Frau wurde Pater Chiron eine weitere unglückliche Frau mit dem Spitznamen „Chiquette“ vorgestellt, deren richtiger Name aber die katalanische Version von Françoise war. Diese Frau war 36 Jahre alt, stumm und von einem Teufel besessen, der sich „Madeste“ nannte. Und dieser Teufel war keineswegs stumm. Ein extrem heftiger Disput entwickelte sich, zwischen „Madeste“ und „Isacaron“, des Teufels, von dem Gay besessen war, sobald dieser das Haus betreten hatte. Pater Chiron hat über dieses Ereignis selbst berichtet:

„Sobald er die Gegenwart von Isacaron spürte, begann ein bemerkenswert heftiger Disput zwischen den beiden gefallenen Engeln. Die beiden Teufel hörten sich an, wie wahnsinnige Hunde. Sie verwendeten eine völlig unbekannte Sprache, und wir verstanden gar nichts. Später wurde ich von Isacaron darüber informiert, der den Disput für mich übersetzte, dass es um eine Frage der Vormachtstellung gegangen war. Es ging darum, wer der Mächtigere von beiden war. Sie beleidigten und verfluchten sich gegenseitig. Ich war häufig gezwungen, zwischen die beiden Personen zu treten, um zu verhindern, dass sie sich an die Kehle gingen. Hier muss nicht besonders erwähnt werden, dass sich die beiden Besessenen niemals zuvor gesehen hatten, aber die Teufel kannten einander bestens. Im Verlauf der folgenden Tage kam es sechsmal zu einem so heftigen Disput zwischen den Dämonen. Stets in derselben unbekannten Sprache, und in der Gegenwart von mehreren Zeugen.“

Ein Besuch in Ars

Der Ruf des Pfarrers von Ars war so groß, und Ars selbst in der Nähe von Lyon gelegen, dass es nur natürlich war, Antoine Gay auch dem Abbé Vianney vorzustellen. Der Erzbischof von Lyon, Msgr. Bonald, hatte Herrn Goussard, einem engen Freund Gays, persönliche Anweisungen erteilt: „Sie werden ihn nach Ars bringen, dort einige Tage bleiben, und ihn dem Curé von Ars vorstellen.“ Folglich reiste man im Jahre 1853 nach Ars. Am 8. Dezember wurde in der kleinen Gemeinde von Ars das Fest der „Unbefleckten Empfängnis“ gefeiert. Hier muss angemerkt werden, dass das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis erst am 8. Dezember 1854 verkündet wurde.

Da ereignete sich etwas völlig Unerwartetes. Man fand Antoine Gay vor der Statue der Gottesmutter kniend, seine Arme in der Form eines Kreuzes ausgebreitet und seine Augen mit Tränen gefüllt. Von seinen Lippen strömte ein feierliches Bekenntnis:

 

„0 Maria, Meisterstück der göttlichen Handwerkskunst, Gott hat niemals etwas Größeres geschaffen als dich!

Unvergleichliche Schöpfung, Bewunderung aller himmlischen Heerscharen! Alle ehren dich, alle gehorchen dir und anerkennen dich als Mutter des Schöpfers. Du bist über die Engel erhoben worden und über den ganzen Himmel: Du sitzt neben Gott, du bist der Tempel der Göttlichkeit, du hast in deinem Schoß alles getragen, das stärker, größer, mächtiger und liebevoller als alles andere ist!

Maria, du hast in deinem jungfräulichen Schoß ihn getragen, der dich geschaffen hat, du bist Jungfrau und Mutter, niemand kann mit dir verglichen werden. Nach Gott bist du die Größte, du bist die starke Frau, in dir findet sich mehr von der Herrlichkeit Gottes als in den gesamten himmlischen Heerscharen.

Du bist makellos. Anathema jenen, die leugnen, dass du Jungfrau und Mutter bist, du bist ohne Sünde empfangen, du bist unbefleckt.

Ich lobpreise dich, o Maria, aber mein Lobpreis an dich steigt auf zu Gott, dem Schöpfer und Urheber alles Guten. Nach dem Heiligen Herzen Jesu gibt es nichts, was mit dir vergleichbar wäre. 0 liebendes Herz! 0 sanftes Herz! Du verlässt nicht einmal die Undankbaren und jene, die sich der Todsünde schuldig gemacht haben. Dein Herz fließt über vor Freundlichkeit und Güte, die du auch jenen entgegenbringst, die Bestrafung verdienen, und dennoch erwirkst du für sie Gnaden und Mitleid. Die größten Sünder bekehren sich durch dich!

Oh, würden alle Bewohner der Erde dich doch kennen! Würden sie deine Sanftheit, deine Macht, deine Güte kennen, nicht einer würde verlorengehen! Alle, die sich vertrauensvoll an dich wenden, wirst du retten, wirst sie in alle Ewigkeit segnen... Ich fühle mich gedrängt, mich zu deinen Füßen zu demütigen und deine Vergebung für all die Leiden zu erflehen, die ich dem Menschen antun muss, der von mir besessen ist!

Heute, am Tag des allerheiligsten Festes des ganzen Jahres, gestehe ich, dass Dein göttlicher Sohn mich dazu zwingt, einzugestehen, dass dieses der allerheiligste und höchste aller Festtage ist.“

 

So sprach Isacaron, der Teufel der Unreinheit, durch den Mund von Antoine Gay, und die Worte wurden von Herrn Houzelot aufgeschrieben und überliefert. Nach dieser erzwungenen Beichte verstehen wir besser, warum Maria fünf Jahre später die Frage Bernadettes nach ihrem Namen wie folgt beantwortete. „Ich bin die unbefleckte Empfängnis!“

Der Abbé Toccanier, Assistent des heiligmäßigen Curé von Ars, war bei dieser denkwürdigen Eloge des Teufels lsacaron auf die Allerheiligste Jungfrau anwesend. Herr Houzelot forderte den Dämon auf, langsamer zu sprechen, damit er jedes Wort mitschreiben könnte, und der Teufel entsprach diesem Wunsch. Abbé Toccanier konnte seine Rührung nicht verbergen. „Seit der Zeit der Kirchenväter hat es so etwas nicht gegeben“, erläuterte er den anwesenden Zuschauern. Bei einer anderen Gelegenheit begann er zufällig einen theologischen Diskurs mit dem Teufel und war erstaunt über dessen Fähigkeit, auf die orthodoxesten Begriffe schnelle und völlig korrekte Antworten zu geben.

Noch immer kein Exorzismus

Der besessene Mann war jedoch mit der Hoffnung nach Ars gereist, dort von seinen Problemen befreit zu werden. Obwohl Abbé Vianney zu jener Zeit außerordentlich in Anspruch genommen und daher nur schwer anzusprechen war, wurde ihm Antoine Gay mehrfach vorgestellt, und der Curé nahm ihn mit in sein Haus. Eines Abends war der Curé erstaunt zu sehen, dass Antoine Gay plötzlich auf seine Knie niedersank, als hätte ihn eine unbekannte Macht brutal zu Boden gestoßen. Gleichzeitig ballte der Besessene seine Faust gegen den Priester und rief mit drohender Stimme: „Vianney, du bist ein Dieb! Du stiehlst uns die Seelen, auf die wir so viel Mühe verwendet haben, um sie für uns zu gewinnen.“

Nachdem er diesen Ausbruch gehört hatte, machte der Heilige über dem Kopf Gays das Kreuzzeichen. Ein Aufschrei des Schreckens war zu vernehmen. Es wurde entschieden, dass ein Exorzismus durchgeführt werden sollte. Nach entsprechender Aufforderung begab sich Abbé Goussard wieder zu Kardinal de Bonald, um die Erlaubnis für den Exorzismus einzuholen.

„Der Curé von Ars bedarf meiner Erlaubnis nicht“, antwortete der Erzbischof, „er weiß sehr gut, dass ich ihm die Erlaubnis jederzeit erteilen würde. Oder vielleicht sollte er sich dieserhalb besser an den Bischof von Belley wenden.“ Sofort schrieb Abbé Toccanier an Msgr. Chaladon, damals Bischof von Belley, der die erbetene Erlaubnis sofort erteilte. Dennoch wurde der Exorzismus zurückgestellt und letztendlich nicht durchgeführt. Warum? Der Curé von Ars hielt es für besser, die Zeremonie mit großer Feierlichkeit in Fourvière, dem Heiligtum der Allerseligsten Jungfrau, durchzuführen. Aber die Zeit verging, und es wurde keine endgültige Entscheidung getroffen. Antoine Gay wurde schließlich nach Lyon zurückgebracht, ohne von seinem dämonischen Begleiter befreit worden zu sein.

Eine Stellungnahme des hl. Grignion de Montfort

Es mag zunächst erstaunen, einen Teufel zu finden, wie jenen, von dem Antoine Gay besessen war, der so demütig der ihm zugewiesene Rolle entsprach, eine feierliche Lobrede auf die Allerseligste Jungfrau zu halten, und zwar sowohl in Ars als auch mehrfach bei anderen Gelegenheiten im Verlauf der 40 Jahre andauernden Torturen des unglücklichen Mannes. Aber hier genügt es, sich an die Feststellungen des hl. Grignion de Montfort in seinem gefeierten Traktat „Die wahre Verehrung der Allerseligsten Jungfrau betreffend“ zu erinnern. Über die Feindseligkeit zwischen Satan und Maria schreibt er:

„Gott hat nur eine Feindschaft geschaffen, und zwar eine unversöhnliche, die andauern und sich bis zum Ende sogar noch steigern wird: Es ist die Feindschaft zwischen der Jungfrau Maria und dem Teufel, zwischen den Kindern und Dienern der Allerseligsten Jungfrau und den Kindern und Komplizen Satans, so dass der schrecklichste aller Feinde den Tag des weltlichen Paradieses, als sie erst ein bloßer Gedanke Gottes war, er sie bereits mit so viel Hass gegen diesen verschworenen Feind Gottes erfüllte, mit so viel Bemühen, das Böse dieser alten Schlange zu offenbaren, mit so viel Kraft, sie zu überwinden, niederzuwerfen und auf dem Stolz dieser falschen Schlange herum zu trampeln, dass der Teufel die Allerseligste Jungfrau mehr fürchtet, nicht nur wie Menschen und Engel, sondern in gewisser Weise auch mehr, als er Gott selbst fürchtet. Es ist keineswegs so, dass die Wut, die Macht und der Hass Gottes nicht unendlich größer wäre als jene der Allerseligsten Jungfrau, da Marias Vollkommenheit begrenzt ist: Vielmehr verhält es sich so, dass Satan in seinem Stolz unendlich mehr darunter leidet, von einem kleinen, demütigen Diener Gottes überwunden und gedemütigt zu werden. Die Demütigung durch die Gottesmutter schmerzt ihn mehr als die göttliche Macht. Und ferner, weil Gott Maria so große Macht über die Dämonen gegeben hat, wie sie häufig durch den Mund besessener Personen zuzugeben gezwungen wurden. Darum fürchten sie sich mehr vor einem Seufzer der Gottesmutter über eine arme Seele als vor den Gebeten der Heiligen.“

Jene, die Antoine Gay gehört haben, und es waren derer viele, haben alle bestätigt, dass er in der Tat zwei Persönlichkeiten verkörperte. Diese Dualität manifestierte sich nicht nur durch ihn und den Teufel, der ihn besetzt hielt, sondern auch durch die unterschiedlichen Sprechweisen, die der Teufel verwendete. Es war leicht, die natürliche Stimme Antoine Gays zu erkennen. Er sprach stets mit sanfter Stimme, langsam und mit offensichtlicher Güte. Außerdem war er außergewöhnlich höflich.

Wenn der Anführer - Isacaron - der drei Dämonen, die von Gay Besitz ergriffen hatten, zu sprechen begann, wurde die Stimme rauh, beherrschend und leidenschaftlich. Die Sprache wurde autoritär und jeder wurde unterschiedslos mit „Du“ angesprochen, selbst die höchsten Würdenträger der Kirche. Auch was die Aussagen anbelangte, waren Unterschiede feststellbar.

Manchmal sprach er, man möchte sagen, in seiner Eigenschaft als Teufel - was erforderlich war, um ihn als solchen zu identifizieren - und stieß mit gefletschten Zähnen die schrecklichsten Gotteslästerungen aus. Die Haltung der Dämonen manifestierte sich in der Körperhaltung Antoine Gays, die alle Anzeichen der Besessenheit aufwiesen. In diesem Zustand war er voller Hass, und es war schrecklich, ihn in diesem Zustand zu sehen und ihm zuzuhören. Es war das eine Stadium, das infernalische, um es beim Namen zu nennen. - November 2004 -

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