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Durch sieben Höllen geschleift

Durch ihre Tagebücher erweist sich Mutter Bitterlich als eine der großen Mystikerinnen unserer Zeit. Sie ist zwar in erster Linie die Prophetin der Engelwelt, doch dazu gehört zwangsläufig die Gegenseite, die Welt der Teufel und Dämonen. Mit beiden wurde sie immer wieder konfrontiert. Am 24. April 1948 erlebte sie eine Höllenvision, die schon länger vorher angekündigt war:

Nur im Gehorsam soll das Folgende aufgeschrieben sein, niemals würde ich aus Eigenem dies in Worte bringen oder überhaupt mitteilen.

Gestern, Freitag. Morgens sagte der Herr wie zu einem Auftrag: „Ich sende dich in die Tiefe.“ Ihn gebeten: Herr, nicht ohne Dich, - aber er hatte sich schon wieder gewendet zu Seinem Leidensweg. Alles bejaht, gedankt, angebetet, den Vormittag trotz der vielen Hausarbeit Ihm nach den Kreuzweg gegangen, die eingeschlossenen lieben Seelen so schwer wie Blei gewesen. Drei schwere Stunden von Mittag an. Mit sehr viel Schmerzen trotzdem nachmittags Nähmaschine nähen und Schreibmaschine schreiben müssen.

Eine große Angst und Unruhe im Herzen gehabt, als wollten alle, die ich in mir trage, fort von mir. Wie eine Gluckhenne Mühe gehabt, zu beruhigen, das flatternde Herz zur ruhigen Pflicht zu bringen. Der Herr will es, wir müssen einfach durch diese Nacht, es wird mit der Gnade Gottes keines verloren gehen.

Gegen Mitternacht, als der Letzte schlafen gegangen war, schon die gewaltige Macht des Angriffs das ganze kleine Zimmer gefüllt. Sofort keinen Schritt weiter können. Am Boden ausgestreckt auf die Art, wie der liebste Herr gesagt: Siehe die Torheit des Kreuzes. Tue, was Gott dir zu tun erlaubt. Vor Hass verzerrt, schwieg er. Diese Spanne sofort benützt, um die Gehorsamsworte des Morgens zu wiederholen und Gott und Maria, die Engel und Heiligen und die Kraft des gottbestellten Vorgesetzen auf Erden zu Hilfe zu rufen.

Der Angriff ging dreifach los: Auf den Körper in der Form des vorgestrigen Kampfes, auf die Sinne in Form des gestrigen Kampfes. Den Geist aber durch die Abwehr des Hornes nicht zu fassen bekommen (Anmerkung: In bestimmten Visionen hatte sie ein Horn auf der Stirn, mit dem sie die Dämonen abwehrte) „Du, du ...“, richtig geächst hat er vor Hass. „Warte, bis ich dich durchgesiebt habe!“ Langsam gebetet: „Anima Christi, sanctifica me, corpus Christi, salve me!“

Geschleift worden durch sieben Höllen. Das wiederzugeben würde einem vor Entsetzen um den Verstand bringen. Nur Schlagworte. Die erste Hölle der Dämonen, der Qualen des Körpers, der Machtbereich der Todsünde der Trägheit, der fürchterlichen Lauheit, Gleichgültigkeit, Farblosigkeit, bewussten Körperliebe; Qualen, wie sie den Menschen am ehesten vorstellbar sind und auch dargestellt werden. Sie von der sündigen Menschheit abzuwehren, ist durch den Willen und die Liebe Gottes das Blut von Millionen Märtyrern geflossen, sind Opfer der Züchtigung des Körpers von Millionen Menschen gebracht worden. Zuletzt von einem verkrüppelten Dämon heruntergerissen worden, der schrie: „Zerstückelt sollst du werden durch die Kraft Luzifers!“

Sofort in die nächste Hölle gefallen von wahnwitziger Glut wie in einem Hochofen, die Hölle des Zornes, weißglühender höllischer Engelsgestalten, ausgeglüht und doch ewig glühend in furchtbarer Qual des Hasses. Den Untergang in dieser Hölle für uns abzuwehren, hat die brennende franziskanische Liebe auf Erden zu vollbringen, samt der kindlichen Kraft aller gottverbundener Kinder. Zuletzt von einem solchen Hassträger wie einen Feuerbrand entgegen geschleudert bekommen: „In der Qual glühender Schmerzen sollst du enden durch die Kraft Luzifers!“

Ohne Atempause in die nächste Hölle geworfen worden, der Pesthölle des Unrates, der Hölle aller Maßlosigkeiten, aller Trunksucht, Geilheiten, der sodomistischen Sünde aus Geilheit und dem ungeordneten Überfluss, der Schlemmerei herausgewachsen. Diese Hölle von uns abzuwehren, stehen die Büßer aller Zeiten hier, ihnen voran die überragende Gestalt des Täufers. Zuletzt von einem ganz Zerfressenen nachgerufen bekommen: „Verhungern sollst du bei lebendigem Leib durch die Kraft Luzifers!“

Wieder in ein anderes Höllenreich versunken voll ohrenzerreißendem Tumult, wie die Gräuel der Kriegsangriffe, die Hölle des Neides, Mordes, Betruges. Hier zerfleischen sie sich gegenseitig seit Kain, der Bruder den Bruder, das Kind den Vater, ein Volksstamm den anderen. Die Rachsucht, die Verräterei feiern Orgien, in wahnwitziger Verwirrung sind sie Angreifer und Opfer zugleich. Ihnen als Abwehr auf Erden stehen die Legionen der Lastträger entgegen, die ihr Leben geben für die andern, alle die wahrhaft Barmherzigen. Eine dieser sich bäumenden Gestalten schrie mich zuletzt an: „Die Hölle wird dir den Tod bringen, so will es die Kraft Luzifers!“

In ein entsetzliches Reich der Nacktheit gefallen wie unter lauter haarlose räudige Tiere, die Hölle der Körper- und Sinnengier, der Unzucht und Perversitäten im fürchterlichsten Sinn. Mit aller Kraft gegen eine Berührung gewehrt. Trotz Umherflattern verrückter besessener Gestalten sofort wieder hochtauchen können, wohl eine Gnade der Makellosen, der Mutter. Nur so eine Fiebergestalt rief: „Wir kommen alle zu dir in deiner letzten Stunde, verlass dich darauf. So will es die Kraft Luzifers.“

Dieser Hölle steht vor allem die verborgene Unschuld und Lauterkeit gegenüber, die Zucht strenger Gelübde, die Tapferkeit ganz reiner Jugend. Betäubt von diesem Entsetzlichen der Höllengier, in einer Hölle absoluter Verkrampfung aller Verdammten aufgeschüttelt worden. Wie hypnotisiert winden sich alle vor den tausend Mäulern des wie in die Unendlichkeit ragenden Götzen Mammon. Der frisst und frisst und zermahlt sie und speit sie wieder aus, verkrampft wie eingerollt in alte Haare, nichts, nichts haben sie mehr in ihrem Geiz, in ihrer absolut scheinenden Torheit könnten sie einen trotz ihre entsetzlichen Anblicks erbarmen, wenn man nicht vor diesen Verbrechen der Unterdrückung der Armen und Waisen und ihren Folgen schauderte, aller der Unterlassungssünden. Diese Hölle schüttelt den Geist in Qualen. Und Qualen soll ich leiden im Sterben, das ist mir da mitgegeben worden.

In die absoluteste Hölle aller Höllen konnte ich kein Gefühl des Körpers mitbringen, nur das Bewusstsein des Hornes mehr gehabt. Die Hölle des Stolzes ist die Hochburg Luzifers. Vor der er sich am meisten graust, in die er alles stopft, nur um sie aufzufüllen, damit einst kein Platz für ihn mehr da ist. Sie ist der Inbegriff aller Verfinsterung und aller Versiegung, sie enthält alle Qualen der anderen Höllen wie im Extrakt, und als Hölle des Hochmutes ist sie die Hölle vollendester Ohnmacht. Diese beiden letzten Höllen sind nur durch bedingungslose Demut und Hingabe an den Willen Gottes, durch die Glut brennender, alles opfernder Liebe abzuwehren und nur mit Hilfe der Engel und ihrer Königin, ausgefüllt mit dem Blut des Herrn. Vor dem Verlassen dieser Hölle konnte ich nur den Sinn der Worte erkennen: „Ich werde dir den Tod geben, ich.“

Erst vom guten Engel wieder zum Leben zurückgeholt worden, wie vollkommen verbrannt und zerbrochen am ganzen Körper. Noch etwa drei Stunden lang das Röcheln wie eines im Todeskampf Liegenden oder gewürgt Werdenden ganz nahe und schauerlich laut gehört, gekniet und gebetet mit aller noch vorhandener Kraft.

Am Morgen in der heiligen Kommunion der Herr in unendlicher Liebe und Herablassung geneigt. Für alles, alles entschädigt worden durch Seine Liebe, mit Freuden gern noch tausend Tode sterben mögen für diese Liebe! Er sagte so gütig: „Es tut nun nicht mehr weh.“ Alle Schmerzen verloren. Und wieder sagte Er ganz eindringlich: „Bitte Mich, Meine kleine tapfere Magd, bitte Mich doch!“ Gebeten, dass doch keine der Seelen, für die ich irgendeine Verantwortung trage, die mir anvertraut sind, verloren gehen. Er neigte sich so mild und sagte: „Siehe!“ Der Schutzengel der armen Priesterseele kam sie abzuholen, sie war wie außer Gefahr. Viel gedankt.

Samstag, 24. April 1948.

In dieser Nacht durch alle Höllen geschleift worden und, obwohl das Gefühl der Sicherheit da war, dass mir keine der Seelen verloren gehen könne, doch gleich nach der Wiedererlangung des Bewusstseins der kleinen Seele inne geworden, die sich in einem Zustand größter Aufregung befand. Es war so, als würde sie sich gegen einen Einfluss von Seiten des Bösen heftig wehren, gerade jetzt, wo sie doch eben erst, in mir beschlossen, zumindest unbewusst diese ganze Höllenpein miterlebt hatte. Immer wieder fühlt man den Aufschrei „nein, nein“, „ich will nicht“, „ich will dich nicht“. Der Böse war ganz rasend.

Gebetet, gesegnet und gebetet; die Stola umgenommen zur Kräftigung des Exorzismus; immer wieder Weihwasser gegossen. Mut zugesprochen: „Halte aus, mein Kind, lass dich nicht überwinden, du weißt um Gott, Er ist, Er lässt dich nicht fallen, Er hat dich erlöst, Gott liebt dich, Gott sendet dir Kraft, Gott behüte dich, Gott ruft dich zur Entscheidung, Gott ist der Größte, der Heiligste, der Stärkste, Gott will dich, Gott wird dich nicht verlassen.“

Dann plötzlich eine zweite Stimme zu röcheln begonnen, entweder im Todeskampf oder wie wenn sie gewürgt würde. Jetzt doppelt gerungen in der ganzen Kraft, etwa drei Stunden lang. Dann um fünf Uhr morgens an die Arbeit gehen müssen, die Stimmen langsam verklungen. An diesem Morgen vor den Augen des Herrn die Priesterseele zurückgeben dürfen. Es war ersichtlich, dass die Aufgabe erfüllt und die Gefahr einer ewigen Verurteilung vorbei war. Viel, viel gedankt. - August 2010  – (cpc)†

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