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Du sollst nicht töten!

„Du sollst nicht töten“, steht geschrieben. - Um die Strafwürdigkeit einer Sünde einzuschätzen, muss man die Umstände bedenken, die ihr vorangehen, ihr den Weg bahnen, sie entschuldigen, sie erklären. Wen habe ich erschlagen? Was habe ich erschlagen? Wo habe ich erschlagen? Womit habe ich erschlagen? Warum habe ich erschlagen? Wie und wann habe ich erschlagen? All das muss sich jener fragen, der getötet hat, bevor er vor Gott hintritt, um ihn um Vergebung zu bitten.

„Wen habe ich getötet?“ - Einen Menschen. Ich sage: Einen Menschen. Ich bedenke und berücksichtige nicht, ob er arm oder reich, frei oder Sklave ist. Für mich gibt es keine Sklaven oder Machthaber. Es gibt nur Menschen, die von einem Einzigen erschaffen worden und darum alle gleich sind. Daher sind vor der Majestät Gottes auch die mächtigsten Herrscher der Erde Staub, und in den Augen Gottes und in meinen Augen gibt es nur ein Sklaventum: jenes der Sünde und daher unter Satan. Das alte Gesetz unterscheidet zwischen Freien und Sklaven und bis ins kleinste gehend unterscheidet es zwischen dem Töten durch einen Schlag und demjenigen, das es dem Opfer erlaubt, noch ein bis zwei Tage zu überleben. In gleicher Weise macht es einen Unterschied, ob der Stoß oder Hieb an einer schwangeren Frau zu deren Tod führt, oder ob nur ihre Leibesfrucht getötet wird. Das aber ist gesagt worden, als das Licht der Vollkommenheit noch fern war. Nun ist dieses Licht unter euch und sagt: „Jeder, der seinesgleichen tötet, sündigt.“ Er sündigt nicht nur gegen den Menschen, sondern auch gegen Gott.

Was ist der Mensch? Der Mensch ist das überlegene Geschöpf, das Gott als König über alle Schöpfung gesetzt hat. Gott hat es nach seinem Ebenbild und seiner Ähnlichkeit erschaffen; nach seiner Ähnlichkeit, indem er ihm die Ähnlichkeit im Geiste verlieh, nach seinem Ebenbild, indem der Mensch die Verkörperung seiner vollendeten Absicht ist. ... Der Mensch ist das von Gott bevorzugte Geschöpf. Auch wenn er jetzt schuldig ist, so ist er dennoch jenes, das ihm am teuersten ist. Dafür legt er Zeugnis ab, indem er sein eigenes Wort in die Welt gesandt hat: nicht einen Engel, nicht einen Erzengel, nicht einen Cherub, nicht einen Seraph, sondern sein Wort, damit es in der Hülle menschlichen Fleisches den Menschen erlösen soll. Er hat diese Hülle nicht für unwürdig gehalten, um den leidensfähig zu machen, der, wie der Vater, ein ganz reiner Geist ist und als solcher nicht hätte leiden und die Schuld des Menschen sühnen können.

Der Vater hat mir gesagt: „Du wirst Mensch sein: der Mensch! Ich hatte einen erschaffen, so vollkommen wie alles, was ich vollbringe. Er war für ein schönes Leben und einen süßen Schlaf ausersehen, für ein seliges Erwachen und einen glückseligen, ewigen Aufenthalt in meinem himmlischen Paradies.“ Aber, du weißt es: in dieses Paradies kann nichts Unreines eingehen; denn in ihm haben Ich, Wir, der Dreieinige Gott, unseren Thron, und vor ihm darf nur Heiligkeit sein. Ich bin der, der Ich bin. Meine göttliche Natur, unser geheimnisvolles göttliches Wesen, kann nur von Seelen ohne Makel wahrgenommen werden. Nun ist der Mensch durch Adam und in Adam unrein. „Geh, reinige ihn! Ich will es! Du sollst von nun an der Mensch, der Erstgeborene sein. Denn als erster wirst du hier mit sterblichem Fleische, doch frei von jeder Sünde und mit einer Seele ohne Erbsünde eingehen. Jene, die dir vorausgegangen sind, und jene, die nach dir kommen, werden das Leben haben durch deinen Tod als Erlöser!" Nur einer, der geboren worden ist, kann sterben. Ich wurde geboren und ich werde sterben.

Der Mensch ist das bevorzugte Geschöpf Gottes. Nun sagt mir: Wenn ein Vater viele Kinder hat, doch eines von diesen sein bevorzugtes, sein Augenstern ist und getötet wird, leidet dann jener Vater nicht mehr, als wenn ein anderes seiner Kinder getötet worden wäre? So dürfte es zwar nicht sein, denn der Vater müsste allen Kindern gegenüber gerecht sein. Doch es kommt vor, weil der Mensch unvollkommen ist. Gott kann dies in Gerechtigkeit tun, denn der Mensch ist das einzige Geschöpf unter den Erschaffenen, das gemeinsam mit dem Schöpfer-Vater eine geistige Seele hat, ein unleugbares Zeichen göttlicher Vaterschaft.

Wenn man einem Vater das Kind tötet, versündigt man sich dann nur gegen das Kind? Nein, auch gegen den Vater! Der Tod trifft im Fleisch das Kind, im Herzen den Vater, und beiden wird eine Wunde zugefügt. Wenn man einen Menschen tötet, sündigt man dann nur gegen den Menschen? Nein, auch gegen Gott! Man sündigt gegen den Menschen im Fleisch, gegen Gott aber in seinem Recht, weil Leben und Tod von ihm allein gegeben und genommen werden. Töten heißt Gewalt antun: Gott und dem Menschen. Töten ist Eindringen in den Bereich Gottes. Töten ist Fehlen gegen das Gebot der Liebe. Wer tötet, liebt Gott nicht, denn er zerstört eines seiner Werke: einen Menschen. Wer tötet, liebt den Nächsten nicht, denn er nimmt dem Nächsten das, was der Mörder für sich selbst beansprucht: das Leben. Damit sind die ersten beiden Fragen beantwortet.

„Wo habe ich getötet?“ - Man kann unterwegs töten, im Haus des Angegriffenen oder aber das Opfer ins eigene Haus gelockt haben. Dem einen oder anderen Körperteil kann durch einen Schlag noch größerer Schmerz zugefügt werden, oder man kann auch zwei Morde in einem begehen, wenn man eine schwangere Frau mit ihrer Frucht umbringt. - Man kann unterwegs töten, ohne die Absicht dazu zu haben. Ein Tier, über das man die Herrschaft verliert, kann den Vorübergehenden töten, ohne dass man den Vorsatz hatte zu töten; anders ist der Fall, wenn dagegen einer mit einem Dolch unter seinem heuchlerischen Leinengewand ins Haus des Feindes dringt - und oft betrachtet man zu Unrecht einen Besseren als Feind - oder ihn in sein Haus einlädt, ihn mit Ehren empfängt, dann aber erdrosselt und in die Zisterne wirft; dann liegt Vorsätzlichkeit vor, und die Sünde ist vollständig in der Bosheit, Rohheit und Gewalttätigkeit.

Wenn ich die Leibesfrucht mit der Mutter töte, wird Gott mich für zwei Leben zur Rechenschaft ziehen. Denn der Leib, der einen neuen Menschen zeugt, ist gemäß dem Gebot Gottes heilig, und heilig ist das kleine Leben, das in ihm heranreift und dem Gott eine Seele gegeben hat.

„Womit habe ich getötet?“ - Es ist umsonst, wenn einer sagt: „Ich wollte nicht töten“, und beim Hingehen eine ganz sichere Waffe mitgenommen hat. Im Zorn werden selbst die Hände, die am Boden aufgelesenen Steine oder der vom Baum heruntergerissene Ast zu Waffen. Wer aber kaltblütig den Dolch oder die Axt betrachtet, sie wetzt, wenn sie ihn zu wenig scharf dünken, sie unsichtbar auf seinem Leibe trägt, wo sie dennoch mit Leichtigkeit gezückt werden können, und so vorbereitet zum Rivalen hingeht, der kann bestimmt nicht sagen: „Ich hatte nicht die Absicht zu töten.“ Wer mit giftigen Kräutern und Früchten, die er eigens dafür gepflückt hat, Pulver oder Getränke bereitet und dann dem Opfer dieses Gift als Gewürz oder als Arznei anbietet, kann bestimmt nicht sagen: „Ich wollte nicht töten.“

Nun hört, ihr Frauen, ihr verschwiegenen, unbestraften Mörderinnen so vieler kleiner Menschenleben! Mord ist auch das Entfernen einer im Schoß sich entwickelnden Leibesfrucht, ob sie nun aus dem Samen einer sündhaften Verbindung hervorgegangen oder sonst unerwünscht ist, weil sie eine unnütze Bürde und eine eurem Reichtum abträgliche Belastung bedeutet. Es gibt nur einen Weg, diese Last nicht tragen zu müssen: keusch zu bleiben. Verbindet mit der Unkeuschheit nicht noch Mord, mit dem Ungehorsam nicht noch Gewalt und glaubt ja nicht, dass Gott nicht sieht, was den Menschen verborgen bleibt. Gott sieht alles und vergisst nichts. Seid auch ihr dessen eingedenk!

„Warum habe ich getötet?“ - Oh, so vieler Gründe wegen! Der plötzliche Verlust des inneren Gleichgewichtes, der in euch eine heftige Gemütsbewegung auslöst, wie etwa, das Ehegemach entehrt vorzufinden, der Dieb im Haus, der Wüstling, welcher der eigenen Tochter Gewalt antun will, bis zur kaltblütigen und wohlüberlegten Erwägung, sich eines gefährlichen Zeugens zu entledigen, eines Menschen, der einem den Weg versperrt, dessen Posten oder Geldbeutel man erstrebt: Das sind die vielen und abermals so vielen Gründe. Wenn Gott demjenigen noch verzeihen kann, der in einem Anfall höchsten Schmerzes zum Mörder wird, so verzeiht er dem nicht, der aus Gier nach Macht oder Ehrsucht tötet. - Handelt deshalb immer gerecht, und ihr werdet niemals den Blick oder das Wort anderer zu fürchten haben. Seid zufrieden mit dem, was euer eigen ist, und so werdet ihr nicht das Gut des anderen begehren, um dadurch noch zum Mörder zu werden.

„Wie habe ich getötet?“ - Bin ich nach dem ersten erregten Gefühlsausbruch weiterhin grausam vorgegangen? Oftmals vermag sich der Mensch nicht mehr zu beherrschen, denn Satan stürzt ihn ins Unglück wie ein Schleuderer den Stein schleudert. Aber was würdet ihr von einem Stein sagen, der, nachdem er das Ziel erreicht hat, von selbst zur Schleuder zurückkehrte und noch einmal geschleudert werden wollte, um noch einmal zu treffen? Ihr würdet sagen: „Er ist von einer höllischen und magischen Kraft besessen.“ So ist der Mensch, der nach dem ersten Schlag noch einen zweiten, einen dritten, einen zehnten Schlag versetzt, ohne dass sein Ingrimm nachlässt. Nach dem ersten Ausbruch legt sich der Zorn und an seine Stelle tritt die Vernunft, wenn jener aus noch gerechtfertigten Gründen hervorgerufen wurde. Während die Grausamkeit sich steigert, je mehr der Überfallende das Opfer des wirklichen Mörders ist, nämlich von Satan, der mit dem Bruder kein Mitleid hat und auch nicht haben kann, da er Satan ist, eben Hass ist!

„Wann habe ich getötet?“ - Im ersten Gefühlsausbruch? Nachdem dieser sich bereits gelegt hatte? Als ich Verzeihung vortäuschte, während die Rachegedanken immer erbitterter wurden? Habe ich vielleicht Jahre mit dem Mord zugewartet, um doppeltes Leid zuzufügen, indem ich den Vater durch die Kinder getötet habe? -

Ihr seht, dass man beim Töten sowohl gegen die erste als auch gegen die zweite Gruppe der Gebote verstößt, weil ihr das Recht Gottes für euch beansprucht und euren Nächsten mit Füßen tretet. Sünde also gegen Gott und den Nächsten! Ihr begeht nicht nur die Sünde des Mordes. Ihr begeht auch die Sünde des Zornes, der Gewalttätigkeit, der Anmaßung, des Ungehorsams, des Frevels und manchmal auch der Habgier, wenn ihr tötet, um euch eines Postens oder eines Geldbeutels zu bemächtigen. … Man begeht einen Mord nicht nur mit der Waffe und mit dem Gift, sondern auch durch die Verleumdung. Denkt darüber nach. - Weiterhin sage ich euch: Der Herr, der einen Sklaven schlägt und dies mit einer solchen Arglist, dass ihm dieser nicht in den Händen stirbt, ist doppelt schuldig. Der Mensch als Sklave ist nicht das Gut seines Meisters: es ist eine Seele, die Gott angehört. In Ewigkeit sei jeder verflucht, der seinen Sklaven schlimmer als einen Ochsen behandelt! - Die Sklaven sinken auf der Scholle oder in der Mühle um. Sie fallen nieder mit gebrochenen Knochen oder dem durch Geißelhiebe bloßgelegten Fleisch. Man bezichtigt sie unwahrer Vergehen, um sie schlagen zu können und um den eigenen satanischen Sadismus zu rechtfertigen. Sogar das Wunder Gottes wird als Anklage benützt, um sich das Recht zu nehmen, sie zu schlagen. Weder die Macht Gottes noch die Heiligkeit des Sklaven vermag ihre niederträchtige Seele zu bekehren. Sie kann nicht bekehrt werden. Dort, wo eine Sättigung des Bösen vorliegt, kann das Gute nicht eindringen. Doch Gott sieht es und sagt: „Genug!“

Zu viele Kaine gibt es, die Abel töten. Was glaubt ihr, ihr unreinen, nach außen weiß übertünchten und mit Worten des Gesetzes beschriebenen Gräber, in deren Innern König Satan wandelt und aus denen der schauerlichste Satanismus hervorquillt, was glaubt ihr? Dass nur Abel der Sohn Adams gewesen sei, und dass der Herr nur auf jene mit Wohlgefallen blicken würde, die nicht Sklaven anderer Menschen sind, und das einzige Opfer von sich stoße, das ein Sklave ihm darbringen kann: seine mit Tränen gewürzte Rechtschaffenheit? Nein, in Wahrheit sage ich euch: Jeder Gerechte ist ein Abel, auch wenn er mit Fesseln bedeckt ist, selbst wenn er sterbend auf der Ackerscholle liegt oder wegen eurer Geißelhiebe aus allen Wunden blutet; dass jedoch alle Ungerechten Kaine sind, die Gott aus Hochmut opfern und nicht, um ihm Ehre zu erweisen, und das geben, was durch ihre Sünden verunreinigt und vom Blut befleckt ist. - Ihr Wunderschänder! Menschenschänder! Mörder! Frevler! Hinaus! Weg aus meinen Augen! Genug! Ich sage euch: Genug! Es ist mein Recht, es zu sagen, denn ich bin das göttliche Wort, das die göttliche Lehre verwirklicht. Hinaus!   - Jesus –

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