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Der Islam und wir

- Januar 2003 -

Auszug aus der katholischen Zeitschrift „Hochland“, die nach dem Kriege bei den Katholiken hohes Ansehen hatte. Der Artikel erschien im Februar 1949 und beschrieb die damals in der Theologie allgemein bekannte und beachtete Einstellung zum Islam. Sie steht im krassen Widerspruch zum heutigen Standpunkt.

„Wie stehen wir zum Islam? Gibt es überhaupt Brücken, die von uns in die Welt des Islam hinüberführen?“ So fragt Jean-Mohammed Ab-del-Jalil, der Mann mit dem halb christlichen, halb islamischen Doppelvornamen, ein waschechter, autochthoner Marokkaner und dabei katholischer Geistlicher, Franziskanermönch. Abdel-Jalil, auf dessen Buch sich die nachstehenden Ausführungen stützen, geht von dem schon oft ausgesprochenen Gedanken aus, dass der Islam, dem Christentum scheinbar so nahe, in Wirklichkeit unendlich weit von ihm entfernt sei. Viele halten den Islam lediglich für eine häretische Absplitterung vom Christentum. Andere bestreiten, dass er überhaupt eine Religion sei; sie wollen ihn nur als ein System deistischer Philosophie gelten lassen. Der Islam selber behauptet von sich, dass er die Ideal-Religion sei, die der menschlichen Natur und als Religion ohne Mysterien, ohne Sakramente, ohne Priestertum dem intellektuellen Horizont des Menschen am besten entspreche. Dabei will er aber doch die Fortsetzung der älteren Offenbarungsreligionen sein, die er verbessere und endgültig ersetzen solle. Und nun diese merkwürdige Mischung von echter Religiosität und heillos diesseits gebundener Sinnlichkeit. Es ist leicht, Mohammedaner zu sein; aber dann doch wieder gewisse Formen strengster Askese und vor allem jener Gluthauch des Religiösen, der noch auf jeden, der dem Islam begegnete, den allertiefsten Eindruck machte. Eine letzte und echteste religiöse Ergriffenheit, die sogar imstande war, bei vielen Taufscheinchristen den verschütteten religiösen Grund wieder aufzudecken, so dass sie erst nach Begegnung mit dem Islam sich darauf besannen, was sie selber waren. Andererseits die Schwierigkeit, ja fast Unmöglichkeit der Konversion von Mohammedanern! Nur ganz wenige wirklich bemerkenswerte Konversionen vom Islam zum Christentum hat die Geschichte aufzuweisen, obwohl doch Christen und Mohammedaner sich schon seit Jahrhunderten begegnet sind. Viele äußere Aspekte des islamischen Lebens sind hinwiederum den Christen völlig unverständlich und fremd. Man sieht selten, dass Araber arbeiten, und doch hat man eigentlich nicht den Eindruck, dass sie faul seien. Das Almosen-Erbetteln scheint in der islamischen Welt etwas ganz anderes zu sein als das Bettlertum in gewissen europäischen Ländern: Die Bettler drüben wissen immer eine Würde zu wahren, und nie stößt man bei ihnen auf eine Geste, die ins Gewöhnliche abglitte. Die große Ruhe, die Ausgeglichenheit des Lebens in den islamischen Ländern gegenüber der Unrast, der Hast in Europa oder Amerika ist überhaupt bezeichnend. Ein Araber von Süd-Tunesien sagte einmal: „Der Fortschritt existiert nicht für uns; wir sind bereits bei der Vollkommenheit angelangt. …

Man stößt auf den eigentlichen Wesenskern des Islam, wenn man sich über jene geradezu wild und fanatisch anmutende Betonung der Einzigkeit Gottes klar wird. Der Gedanke der analogia entis, der den eigentlichen Schlüssel zur Geistesgeschichte des christlichen Abendlandes gibt, wäre in der islamischen Welt die fürchterlichste Häresie. Wir sehen im Islam die Geister gleichsam zurückgeworfen in das Vorstadium des Alten Testaments, und jene Geisteshaltung ist dazu noch verhärtet; man erkennt nur die göttliche Transzendenz, nicht aber ihr notwendiges Gegenstück, ohne das sie unmenschlich wird. Für den Mohammedaner ist es etwas Entsetzliches, dass die Christen Gott mit dem Vater-Namen anrufen; „Vater“ sei ein fleischlicher Begriff, und seine Anwendung auf Gott besudele die Transzendenz.

Die Schöpfung ist für den Mohammedaner ein bloßer Willkürakt Gottes. Gott ist von der Welt so unabhängig, dass es dem Mohammedaner auch widerstrebt, an einen göttlichen Weltenplan, der sich in der Geschichte verwirkliche, zu denken; die Geschichte wird vielmehr aufgelöst in Diskontinuitäten. Gott als die Liebe, der Fall des Menschen, Gottmensch, Erlösung, diese Dogmen sind für den Mohammedaner alle Ärgernis und Torheit zugleich. Gott erwartet von seinem Geschöpf gar keine Liebe.

Es gibt im Islam doch eine Art Entwicklung - „Dogmengeschichte“ wäre zu viel gesagt eine Entwicklung nämlich der Stellung Mohammeds, die geradezu scheinbare Parallelen zu christlichen Dogmen bildet. Schließlich wird Mohammed fast als der allgemeine Mittler zwischen Gott und den Menschen hingestellt; es kommt sogar zur Entstehung eines Festes der Geburt Mohammeds, zu Behauptung der Sündenlosigkeit des Propheten, zur Lehre von seiner Mittlerrolle hienieden und beim Weltgericht.

Dass der Islam viel Wert auf Riten und das äußere Glaubensbekenntnis legt, lässt sich nicht bestreiten. Das religiöse Leben wird mechanisch und formalistisch; es steht unter dem Aspekt der Furcht, obwohl es dennoch würdevoll und feierlich bleibt. Eine einzige Sünde gibt es, die nicht vergeben werden kann, das ist das Schirk, das Unterlassen der Anerkennung von Gottes Einzigkeit, so wie der Islam sie lehrt. Anderer Sünden wiegen nicht so schwer, wenn sie nur „verborgen“ bleiben und der äußere Schein gewahrt, kein Ärgernis erzeugt wird. Es gibt im Islam nicht Schulen der Heiligkeit, wie im Christentum die Mönchsorden und Kongregationen, in denen die Jünger die besondere Geistesart des Gründers fortsetzen und jeweils auf eine besondere Seite des Innenlebens den ganzen Nachdruck legen. Zwar hat der Versuch einer asketisch-mystischen Verinnerlichung auch im Islam zu religiösen Bruderschaften geführt, die sogar sehr populär sind, aber sie sind zum Marabutismus entartet, zu einem verschrobenen Wunderkult, einer systematischen Suche nach Ekstase mit Hilfe äußerer Erregungsmittel, zu Aberglauben und fast immer auch zur finanziellen oder politischen Ausnutzung der Gläubigkeit. Freilich darf man den Muselmann nicht mit den oft blutigen Akrobaten-Geschichten verwechseln; die „Gesetzeslehrer“ waren den Bruderschaften nie gewogen, und die religiöse Erneuerungsbewegung steht ihnen oft geradezu feindselig gegenüber.

Zur offiziellen Doktrin des Islam gehört dagegen der Heilige Krieg. Er ist geradezu der praktische Aspekt des eifernden Monotheismus. Auf ihn verzichtet der Mohammedaner im Prinzip eigentlich nie, auch wenn er die Nicht-Mohammedaner zeitweilig nicht gerade mit Mordwaffen bekämpft. Aber die Pflicht zum Heiligen Krieg obliegt nicht dem Einzelnen, sondern der Gemeinschaft. Sämtliche nichtislamischen Religionen nahm der Islam zum Gegenstand seiner Angriffe. In den von ihnen beherrschten Gebieten werden sie zwar zumeist geduldet, aber ihre Bekenner sind Menschen minderen Rechts. Nur die Mohammedaner dürfen von Gott sprechen, denn sie bedienen sich der hier einzig angemessenen Sprache. Selbst der jüdische Monotheismus gilt dem Mohammedaner als entartet. Und wenn wirklich echte Christen, Missionare oder Laien, in die islamischen Länder kamen und man ihnen tatsächlich die Bewunderung nicht versagen konnte, so forderte man sie höchstens mitleidsvoll auf, zum Islam überzutreten. Weil nämlich jeder Mohammedaner sich für auserwählt hält, bringt er für den Nichtmohammedaner im günstigsten Fall ein wohlwollendes Mitleid auf.

Das zeigt sich klar in der islamischen Apologetik. Für den Mohammedaner ist ein Übertritt zum Christentum ein Rückschritt; das Christentum war zwar auch eine offenbarte Religion, aber es ist durch den Islam überholt. Die vom modernen Rationalismus angesteckten Mohammedaner können zwar verstehen, dass ein Muselmann den Glauben an Allah verliert, aber selbst sie nicht, dass er zurückschreitet zu einer überholten Religion. Daher jene Unzugänglichkeit des Mohammedaners, seine uns verwirrende Selbstsicherheit, sein „Überlegenheitskomplex“. Nur von hier ausversteht man auch die für unser Empfinden widerspruchsvolle Mischung von Idealismus und Sinnlichkeit, von Würde und Hinterlist, von Vornehmheit und Erbärmlichkeit. - Für den Mohammedaner ist die menschliche Natur nicht gefallen. Adam hat im Paradies gesündigt, aber dafür bekam er seine Strafe, er bereute, und damit war der Sündenfall erledigt; also hier bereits die schon festgestellte „Diskontinuität“. So hat der Islam auch nicht jene Sorge um die Hebung jedes gefallenen Menschen wie das Christentum. Die Haltung des Mohammedaners gegenüber den Gütern des Diesseits erklärt sich desgleichen daraus. Die Gleichgültigkeit oder noch Würde, mit der viele Mohammedaner sich der irdischen Güter bedienen, darf nicht darüber täuschen, dass sie im Grund genommen doch ihnen verhaftet sind.

Überall da, wo sich scheinbare Parallelen zwischen Christentum und Islam zeigen, erkennt man bei genauerem Zusehen, dass die Ähnlichkeit eben doch nur eine äußere ist. Auch die religiöse Erschütterung der heutigen islamischen Welt hat im christlichen Raum keine Parallele; und dasselbe gilt für die verschiedenen Formen religiöser Erneuerungsbewegungen im heutigen Leben. Selbst in der offiziell laizistischen Türkei lässt sich seit dem Tod Ata Türks eine religiöse Erneuerungsbewegung feststellen. Ibn Saud hat in Arabien Telegraph und Telefon, Radio und Flugzeuge, in den Moscheen elektrisches Licht und in Mekka Lautsprecher eingeführt. Dabei soll diese äußere Modernisierung den Islam im Wesen unverändert lassen; man will ja dem Abendland nicht ähnlich werden, will Orientale bleiben. In Ägypten drängt man auf eine tiefergehende religiöse Unterweisung der Massen. Auch in den islamischen Ländern Nordafrikas machen sich ähnliche Bestrebungen geltend. Sodann die Unidad Marroqui in Marokko, die durch einen regelrechten arabischen Nationalismus sich auszeichnet und den Resten der Berber-Sprachen und der Berber-Kultur in Marokko gleichgültig, ja fast feindlich gegenübersteht. Interessant ist, wie diese neuislamischen Bewegungen auf den Marxismus reagieren. Der Mohammedaner fühlt sich dem Marxismus gegenüber nicht wohl. Praktisch hat man ihm einiges zu verdanken; aber zum Materialismus gibt es keine Brücke. Die Reaktion war heftig, als 1946 einige politische Gruppen in Ägypten den Marxisten Zugeständnisse machten. Die Publikation ihrer Blätter wurde verboten.  . – (cpc)†

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