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Ein törichter Mensch

(…) Der Seelenzustand eines groben Menschen spiegelt sich in seinem Antlitz wieder. Es ist, als ob der Dämon sich im Äußeren des von ihm besessenen Menschen zeigte. Es gibt nur wenige von Dämonen besessene Menschen, die sich nicht durch ihre Werke und durch ihr Aussehen als das verraten, was sie sind. Und diese wenigen sind die vollkommen Bösen und vollkommen Besessenen.

Das Gesicht des Gerechten hingegen ist immer schön, selbst wenn seine Züge entstellt sind, denn es ist schön durch eine übernatürliche Schönheit, die sich vom Innern auf das Äußere überträgt. Nicht nur gewissermaßen, sondern tatsächlich können wir beobachten, wie dem von Lastern Unberührten auch Frische des Fleisches eigen ist. Die Seele ist in uns und durchdringt uns ganz. Die Fäulnis einer verkommenen Seele aber verdirbt auch das Fleisch, während die Düfte einer reinen Seele es schützen. Die verdorbene Seele treibt das Fleisch zu wüsten Sünden an, und diese machen alt und entstellen. Die reine Seele fordert das Fleisch zu einem reinen Leben auf, und so bewahrt es seine Frische und strahlt Würde aus.

Sorgt dafür, dass in euch die reine Jugend des Geistes erhalten bleibt oder dass ihr sie wiedererlangt, wenn sie verlorengegangen ist, und hütet euch vor jeder Begehrlichkeit der Sinne oder der Macht. Das Leben des Menschen hängt nicht vom Überfluss der Güter ab, die er besitzt, und weder das irdische noch das andere Leben, das ewige, hängt davon ab! Es hängt ab von der Lebensweise. Und mit dem Leben das Glück dieser Erde und des Himmels. Denn der Lasterhafte ist nie wirklich glücklich, während den Tugendhaften immer eine himmlische Freude erfüllt, auch wenn er arm und einsam ist. Nicht einmal der Tod beeindruckt ihn. Denn weder Sünden noch Gewissensbisse lassen ihn die Begegnung mit Gott fürchten; er trauert dem nicht nach, was er zurücklassen muss. Er weiß, dass sein Schatz im Himmel ist, und er geht wie einer, der von seinem Erbe, dem heiligen Erbe, Besitz ergreifen will, ruhig und froh dem Tod entgegen, der ihm die Tore öffnet zum Reich, wo sein Schatz ist.

Bereitet jetzt euren Schatz vor. Beginnt schon in der Jugend, ihr, die ihr noch jung seid; arbeitet unablässig, ihr Älteren, die ihr wegen eures Alters dem Tod näher seid. Und da ihr nicht wisst, wann ihr diese Welt verlasst und der Jüngling oft vor dem Greis stirbt, verschiebt diese Arbeit nicht und schafft euch einen Schatz an Tugenden und guten Werken für das andere Leben, damit euch nicht der Tod ereilt, bevor ihr einen Schatz an Verdiensten im Himmel habt. Viele sagen: „Oh, ich bin noch jung und stark! Jetzt will ich mein Leben genießen, später will ich mich bekehren!“ Großer Irrtum!

Hört dieses Gleichnis. Einem reichen Mann haben seine Ländereien eine reichliche Ernte gebracht. Wirklich eine wunderbare Ernte. Er betrachtet glücklich all seinen Reichtum, der sich in Hülle und Fülle auf seinen Feldern und seinen Tennen anhäuft; und da er keinen Platz mehr in den Scheunen hat, um ihn unterzubringen, benützt er sogar die Räume seines Hauses. Dann sagt er zu sich: „Ich habe gearbeitet wie ein Sklave, aber die Erde hat mich nicht enttäuscht. Ich habe für zehn Ernten gearbeitet, und jetzt will ich mich entsprechend ausruhen. Wie kann ich alles unterbringen? Ich will nichts verkaufen, denn ich wäre dann gezwungen, wieder zu arbeiten für eine neue Ernte im nächsten Jahre. Ich mache es so: Ich will meine Scheunen abreißen und größere bauen, in denen meine ganze Ernte, und was ich besitze, Platz hat. Dann will ich zu meiner Seele sagen: „O meine Seele! Du hast nun Vorrat für viele Jahre. Ruhe dich aus, iss und trink und lass es dir gut gehen.“ Dieser Mann verwechselt wie so viele andere den Körper mit der Seele und vermischt das Heilige mit dem Unheiligen, denn wahrlich, in der Schwelgerei und im Müßiggang erfreut sich die Seele nicht, sondern sie verkümmert; so ruht er sich wie viele andere nach der ersten großen Ernte auf den Feldern des Guten aus, da ihm scheint, dass schon alles getan ist.

Wisst ihr denn nicht, dass man, wenn man die Hand an den Pflug gelegt hat, durchhalten muss, zehn oder hundert Jahre, solange das Leben dauert; denn Aufhören ist ein Verbrechen gegen sich selbst, durch das man die Erlangung einer größeren Herrlichkeit unmöglich macht; es ist ein Rückschritt, denn wer beim Durchschnittlichen stehenbleibt, kommt nicht nur nicht mehr vorwärts, er geht vielmehr rückwärts. Der Schatz des Himmels muss sich von Jahr zu Jahr vermehren, um Wert zu haben. Denn, wenn die Barmherzigkeit auch mit dem gütig sein wird, der nur wenige Jahre Zeit hatte, so ist sie nicht Helfershelfer der Trägen, die viele Jahre haben und wenig tun. Es ist ein Schatz, der ständig anwachsen muss, sonst ist er kein gewinnbringendes, sondern totes Kapital, und dies auf Kosten des im Himmel wartenden Friedens. Gott sagte zum Törichten:

„Du törichter Mensch, der du den Körper und die irdischen Güter mit dem, was Geist ist, verwechselst und die Gnade Gottes in Schlechtes verkehrst, wisse, dass noch heute Nacht deine Seele von dir gefordert werden und der Körper leblos zurückbleiben kann. Was du vorbereitet hast, wem wird es gehören? Kannst du es mitnehmen? Du wirst ohne deine irdische Ernte und ohne Verdienste für den Himmel erworben zu haben vor mir erscheinen und im anderen Leben arm sein. Besser wäre es für dich gewesen, du hättest mit deiner Ernte Barmherzigkeit am Nächsten geübt. Denn wenn du gegen deinen Nächsten barmherzig bist, ist Gott auch dir barmherzig. Anstatt an Müßiggang zu denken, hättest du Tätigkeiten nachgehen sollen, die deinem Körper wahren Nutzen und deiner Seele Verdienste einbringen, bis ich dich rufen werde.“ Und der Mann starb in der Nacht und wurde streng gerichtet.

Wahrlich, ich sage euch, so geht es dem, der irdische Reichtümer sammelt, aber in den Augen Gottes arm bleibt.  – Jesus -

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