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Säen und ernten

(…) Das Himmelreich gleicht einem Manne, der guten Samen auf seinen Acker säte. Doch während der Mann und seine Knechte schliefen, kam sein Feind, streute Unkrautsamen in die Furchen und ging davon. Niemand wurde dessen am Anfang gewahr. Es kam der Winter mit seinem Regen und seinem Reif, dann folgte das Ende des Tebet, und das Korn begann zu sprießen. Das erste zarte Grün der jungen Triebe zeigte sich, und in ihrer unschuldigen Kindheit erschienen sie alle gleich. Es kam der Schebat und dann der Adar, die Pflanzen entwickelten sich und das Korn bildete Ähren. Jetzt sah man, dass das Grün nicht nur Getreide war, sondern dass es auch Unkraut darunter gab, das als dünne, zähe Ackerwinde an den Halmen emporrankte.

Da gingen die Knechte zu ihrem Herrn und sagten zu ihm: „Herr, was hast du für Samen gesät? War es kein ausgesuchter Same, frei von anderen Samen, die nicht Korn sind?“

„Natürlich war er es. Ich habe nur Körner der gleichen Art genommen und hätte es sehen müssen, wenn andere Samenkörner darunter gewesen wären.“

„Woher kommt dann das viele Unkraut?“

Der Herr dachte darüber nach und sagte dann: „Irgendeiner meiner Feinde hat das getan, um mir Schaden zuzufügen.“

Die Knechte fragten hierauf: „Sollen wir in die Äcker gehen und das Getreide sorgsam vom Unkraut befreien und es ausreißen? Befiehl, und wir werden es tun.“

Doch der Herr antwortete: „Nein. Ihr könntet dabei auch den Weizen ausreißen, und auf jeden Fall würden die noch zarten Pflanzen beschädigt. Lasst beides zusammen bis zur Ernte heranwachsen. Dann werde ich zu meinen Schnittern sagen: ‘Mäht alles zusammen nieder. Bevor ihr aber Garben bindet, sondert die Spreu vom Weizen und macht daraus Bündel und legt sie beiseite, denn inzwischen sind die Ackerwinden vertrocknet, die dichtgewachsenen Ähren aber erstarkt. Verbrennt alsdann das Unkraut, es wird dem Boden als Dünger dienen. Den Weizen aber bringt in meine Scheune. Köstliche Brote sollen daraus gebacken werden, und dies zur Schmach des Feindes, den Gott für seinen Neid verwerfen wird.’”

Nun überlegt, wie oft und in wie vielfältiger Weise der böse Feind in eure Seelen sät, und ihr werdet die Notwendigkeit verstehen, mit Geduld und Ausdauer zu wachen, damit so wenig Unkraut wie möglich unter das erlesene Korn gelangt. Das Los des Unkrautes ist es, verbrannt zu werden. Wollt ihr einmal ins ewige Feuer stürzen, oder Bewohner des Himmelreiches werden? Ihr sagt, dass ihr Bewohner des Himmelreiches sein wollt. So wisset es zu werden. Der gute Gott gibt euch das Wort. Der Feind achtet darauf, dass es Schaden schafft; denn Weizenmehl, vermischt mit dem Mehl aus Unkraut, ergibt bitteres Brot und schadet dem Magen. Seid also eifrig bemüht, mit eurem guten Willen das Unkraut auszusondern und auszumerzen, auf dass ihr nicht Gottes unwürdig werdet. …

Ich will euch den vollständigen Sinn des Gleichnisses erklären, das noch zwei weitere Aspekte aufweist außer dem, den ich den Leuten erklärt habe.

Allgemein hat das Gleichnis folgende Anwendung: Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reiches Gottes, die von Gott in die Welt gesät werden und darauf warten, ihre Bestimmung zu erreichen, vom Schnitter gemäht und in die Scheunen des Herrn der Welt gebracht zu werden. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen, die ihrerseits im Acker Gottes ausgestreut werden, um dem Herrn Leid zuzufügen und seinen Ähren zu schaden. Der Feind Gottes hat sie in besonderer Absicht gesät: denn er lässt den Menschen so tief sinken, dass er dem Teufel ähnlich wird; und diese Saat soll nun alle verderben, die er selbst nicht versklaven kann. Die Erntezeit, in der die Ähren zu Garben gebunden und in die Speicher gebracht werden, bedeutet das Ende der Welt, die Schnitter aber sind die Engel. Ihnen ist befohlen, das Getreide zu sammeln und das Unkraut vom Weizen zu trennen; und wie das Unkraut im Gleichnis verbrannt wird, werden die Verfluchten beim Letzten Gericht in das ewige Feuer geworfen.

Der Menschensohn wird seine Diener aussenden und alle aus seinem Reiche vertreiben lassen, die Anstoß erregen und zum Bösen verleiten. Denn dann wird das Reich im Himmel und auf Erden sein, und unter den Bewohnern des Reiches auf der Erde wird es viele Kinder des Feindes geben. Diese werden, wie es schon die Propheten vorausgesagt haben, das Ärgernis und die Gräuel in jedem irdischen Lebensbereich auf die Spitze treiben und die Kinder des Geistes grausam bedrängen. Vom Reiche Gottes, dem Himmel, sind die Übeltäter schon ausgeschlossen, denn nichts Verderbtes kann in den Himmel eingehen. Zu jener Zeit werden die Engel Gottes mit ihren Sicheln die Schar der letzten Ernte mähen, den Weizen von der Spreu sondern und diese in den Feuerofen werfen, wo Heulen und Zähneknirschen sein wird. Die Gerechten hingegen, den auserwählten Weizen, werden sie in das Ewige Jerusalem führen, wo sie wie Sonnen im Reiche meines und eures Vaters erstrahlen werden.

Das ist der allgemeine Sinn. Doch für euch hat dieses Gleichnis noch eine andere Bedeutung. Es ist eine Antwort auf oft gestellte Fragen. ... Ihr fragt euch: „Kann es also in der Schar der Jünger Verräter geben?“ und euer Herz zittert in Angst und Schrecken darüber. Es kann Verräter geben, dessen bin ich sicher.

Der Sämann streut den guten Samen aus. In diesem Falle müsste man anstelle von „ausstreuen“ eher das Wort „erwählen“ gebrauchen, denn der Meister, sei es nun der Täufer oder ich selbst, hat seine Jünger erwählt. Wie kommt es also, dass sie auf Abwege geraten sind? Da ich die Jünger als „Same“ bezeichnet habe, könntet ihr dies falsch verstehen. Ich werde sie also „Äcker“ nennen. Jeder Jünger ist ein Acker, ein vom Meister auserwählter Bereich des Reiches Gottes, der Güte Gottes. Der Meister bestellt sie in mühevoller Arbeit, auf dass sie hundertfache Frucht bringen. Jegliche Pflege lässt er ihnen angedeihen: er wendet Geduld, Liebe, Weisheit, Mühe, Arbeit und Ausdauer an. Er sieht auch ihre schlechten Neigungen: ihre Teilnahmslosigkeit, ihre Habsucht. Er sieht ihre Starrköpfigkeit und ihre Schwächen. Aber er hofft, er hofft immer und bekräftigt seine Hoffnung mit Gebet und Buße, weil er sie zur Vollkommenheit führen will.

Doch die Äcker sind offen. Sie sind nicht ein von festen Mauern umgebener Garten, den nur sein einziger Herr, der Meister, betreten darf. Es sind offene Äcker inmitten der Welt, und alle können sich ihnen nähern und hineingehen. Alle und alles. Oh, nicht nur der schlechte Same des Unkrautes, Symbol der herben Leichtfertigkeit des Weltgeistes, kann hier keimen, sondern ebenso alle anderen Samen, die der Feind aussät: Brennnesseln, Quecken, Hexenzwirn, Ackerwinde, Schierling und andere Giftpflanzen. Warum ? Warum ? Was sind sie?

Die Brennnesseln: die verletzenden, unbezwingbaren Menschen, die in ihrem Übermaß an Bosheit den Mitmenschen das Leben erschweren. Die Quecken: die Schmarotzer, die den Meister entkräften und nichts können als kriechen, aussaugen, aus seiner Arbeit Profit schlagen und die Gutwilligen schädigen, deren Gewinn wahrhaft größer wäre, würde der Meister nicht gestört und abgelenkt durch die Mühen, die ihm diese Quecken verursachen. Die trägen Ackerwinden erheben sich von der Erde nur, um andere auszunützen. Der Hexenzwirn: eine Plage auf dem schon beschwerlichen Wege des Meisters und eine Plage für seine getreuen Jünger, die ihm nachfolgen. Er hakt sich überall fest, dringt überall ein, zerreißt, zerkratzt, erweckt Misstrauen und fügt Leiden zu. Die Giftpflanzen sind die Verbrecher unter den Jüngern, jene, die sich nicht scheuen, Verrat zu üben und ein Leben auszulöschen, wie es der Schierling und andere Giftpflanzen tun. Habt ihr sie schon gesehen, wie schön sie mit ihren kleinen Blüten sind, die zu weißen, roten oder blauvioletten Beeren werden? Wer würde glauben, dass diese sternförmige, weiße oder blass-rosa Blumenkrone mit ihrem goldenen Herzchen als Mittelpunkt, dass diese buntfarbigen, korallenartigen Früchte, die anderen Beeren so ähnlich sehen und die Wonne der Vögel und Kinder sind, in reifem Zustand den Tod bringen können? Niemand! Und die Unschuldigen fallen ihnen zum Opfer. Sie glauben, dass alle so gut sind wie sie selbst ... pflücken davon und sterben.

Sie glauben, alle wären so gut wie sie! Oh, welch erhabene Wahrheit, die den Meister preist und seinen Verräter verurteilt  Wie? Entwaffnet denn die Liebe nicht? Triumphiert sie nicht über ein bloßes Übelwollen? Nein! Liebe macht aus dem Bösen keinen Liebenden, da der dem Feind Gottes anheimgefallene Mensch allem Erhabenen gegenüber unempfindlich geworden ist, und alles Erhabene erscheint ihm nicht so. So wird die Liebe für ihn zur Schwäche, die zu schmähen erlaubt ist, ja, sie fördert noch sein Übelwollen, so wie Blutgeruch die Lust zu töten steigert. Auch der Meister ist immer vertrauensvoll... und verhindert daher nicht, dass sein Verräter seine Bosheit an ihm auslässt; denn er kann nicht glauben, dass ein Mensch imstande ist, einen Unschuldigen zu morden.

Zu den Jüngern, den Äckern des Meisters, kommen die Feinde. Es sind ihrer viele. Der erste ist Satan, die anderen seine Diener: also die Menschen, die Leidenschaften, die Welt und das Fleisch. Somit ist der Jünger am meisten gefährdet, der nicht ganz auf der Seite des Meisters, sondern zwischen dem Meister und der Welt steht. Er kann und will sich nicht von all dem trennen, was Welt, Fleisch, Leidenschaften und Satan ist, um ganz dem anzugehören, der ihn zu Gott führt. So streuen die Welt, das Fleisch, die Leidenschaft und der Teufel ihre Samen auf einen solchen Jünger aus; es ist das Gold, die Macht, das Weib, der Stolz, die Angst vor einem abfälligen Urteil und das Nützlichkeitsdenken. „Die Großen sind die Stärkeren. Also werde ich ihnen dienen, damit sie meine Freunde seien.“ So wird man um elender Dinge willen zum Verbrecher und zum Verworfenen! ...

Warum aber entlässt der Meister, der die Unvollkommenheit des Jüngers sieht, auch wenn er nicht dem Gedanken nachgeben will: „Er wird mein Mörder sein“, ihn nicht sofort aus den Reihen der Seinen? So werdet ihr euch fragen. Weil es nichts nützen würde. Selbst wenn er es tun würde, könnte er nicht verhindern, ihn sich zum Feind zu machen, nur umso früher; und außerdem zum zweifachen Feind; dies aus Zorn oder Schmerz, erkannt und fortgejagt worden zu sein. Aus Schmerz, da der schlechte Jünger oft nicht einsieht, es zu sein; denn das Wirken des Teufels ist so subtil, dass der Mensch es nicht merkt. Satan ergreift von ihm zunehmend Besitz und der Mensch ahnt nichts von seinem Einfluss. Aus Zorn! Ja, aus Zorn darüber, dass er erkannt wurde als das, was er wirklich ist, wenn er um das Wirken Satans und seines Gefolges weiß; eines Gefolges aus den Menschen, die ihn, den Schwachen, in seinen Schwächen versuchen, um den Heiligen aus der Welt zu schaffen, dessen Güte sie kränkt, da sie im deutlichen Gegensatz zu ihrem eigenen Leben steht. Dann kann der Heilige nur noch beten und sich Gott übergeben. „Was du geschehen lassen willst, soll geschehen“, sagt er, und fügt einzig diesen Vorbehalt bei: „Vorausgesetzt, es dient deinem Ziel.“ Der Heilige weiß, dass die Stunde kommen wird, da aus seiner Ernte das Unkraut ausgeschieden wird. Von wem? Von Gott selbst, der nur noch zulässt, was dem Triumph seines liebenden Wirkens dient.  – Jesus –

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