Top-GBrief-2

32. Jahrgang, Nr. 13/98

Brandt und Bahr vermutlich Sowjetspione

Nachricht: Der russische Dissident Wladimir Bukowski, mehrfach in der Sowjetunion inhaftiert und 1976 durch Austausch in den Westen gekommen, hat in einem Interview mit der in Zürich erscheinenden Zeitschrift „Zeit-Fragen“ vor der sozialistischen Ideologie gewarnt, die nicht mit dem Kommunismus untergegangen sei. Der Biophysiker beschuldigt die deutschen Sozialdemokraten Brandt und Bahr des Hochverrats, nachdem er in Moskauer Archiven Geheimakten studieren, elektronisch kopieren und herausschmuggeln konnte. Sein 1996 erschienenes Buch „Abrechnung mit Moskau“ wird in Deutschland totgeschwiegen.

Hintergrund: Wladimir Bukowski, der Biophysik und Kybernetik studiert hatte, wurde 1961 von der Uni verwiesen und ging als Bürgerrechtler in den Untergrund. 1965 wurde er ohne Urteil in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, entlassen und erneut wie ein Geisteskranker behandelt. 1967 zu drei Jahren Arbeitslager verurteilt, 1971 erneut verhaftet, 1972 zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Nach heftigen Protesten aus dem Westen wurde er 1976 ausgetauscht und lebt heute in Cambridge.

In Deutschland wurde Bukowski bekannt durch das ZDF-Magazin von Gerhard Löwenthal. Als er 1992 in den Archiven des ZK der KPdSU forschte, kam Michail Pultoranin, Chef einer von Präsident Jelzin eingesetzten Prüfungskommission zu Bukowski und zeigte ihm von weitem ein dreiseitiges Dokument, das er ihm niemals aushändigen würde. Auf die Frage, worum es denn gehe, antwortete Pultoranin: „Es ist die Liste aller Journalisten im Westen, die auf der Lohnliste des KGB stehen.“ Die Namen seien auch heute noch geheim, „...die brauchen wir noch“.

Im Interview mit „Zeit-Fragen“, das am 3. März erschien, erklärt Bukowski, die von ihm im Archiv des ZK gefundenen Dokumente hätten seine Vermutung bestätigt, daß Gorbatschow nicht der Erfinder von Glasnost und Perestroika war: „Diese Strategien wurden bereits im Voraus entwickelt.“ Die „begrenzten Änderungen“ seien geplant gewesen. Man habe weder die Demokratie noch die Einführung der Privatwirtschaft geplant und letztere gebe es auch heute noch nicht. Die Medien im Westen hätten sich auf eine Auseinandersetzung mit den Fakten seines Buches nicht eingelassen „und taten so, als ob nichts geschehen sei“. Bukowski hatte gehofft, in Deutschland „würden Leute wie Egon Bahr wegen Verleumdung vor Gericht gehen und mich verklagen. Sonst würden sie ja wie Sowjetspione dastehen, was sie wahrscheinlich auch waren“.

Egon Bahr wird in dem Buch sechsmal erwähnt. Er war 1969 über einen Vertrauensmann in Holland geheim an das KGB herangetreten: „Ich bin überzeugt, daß er wegen Hochverrats oder Landesverrats hätte angeklagt werden müssen.“ Die Zeitschrift erinnerte in diesem Zusammenhang an Gerhard Löwenthal, der damals die konspirative Arbeit von SPD-Mitgliedern aufgedeckt hatte, die zur Zeit der großen Koalition unter Kiesinger über die italienischen Kommunisten Kontakt zu Moskau aufgenommen hatten. Bukowski fand den Beweis dafür in Moskau. Zum Vergleich dieser Art von „Entspannungspolitik“ und der Appeasement-Politik vor dem 2. Weltkrieg sagte Bukowski: „Ich denke, daß Leute wie Brandt und andere Sozialdemokraten eigentlich schlimmer waren als Chamberlain. Der war einfach dumm, denn er verstand die Mentalität von Gangstern nicht.“

„Was die Sozialdemokraten angeht, war es nicht nur Dummheit, es war kriminell, denn sie wollten uns - ohne unser Einverständnis - an die sozialistische Idee verkaufen. Sie wollten uns mit ihren Schachzügen in den Sozialismus zwingen; das war viel schlimmer als Chamberlains Politik.“ Die Kommunisten hätten immer wieder „Quislinge“ (Verräter) mißbraucht, um sie nach der Machtergreifung zu liquidieren: „Brandt und Bahr wären vermutlich in Sibirien gelandet.“ Hart ins Gericht geht der berühmte Dissident auch mit der westlichen „Entspannungspolitik“. Sie habe die Existenz des Ostblocks um zehn bis fünfzehn Jahre verlängert. Diese Politik habe Millionen von Menschen in Afghanistan, Angola, Äthiopien und anderswo das Leben gekostet. „Millionen Menschenleben wegen Bahr und Brandt und einer Menge anderer Narren, die mit Moskau ihre Spielchen treiben wollten.“

Auf die Frage nach dem heutigen Einfluß des Kommunismus auf die Weltpolitik sagte Bukowski: „Nun, Sie sollten sich daran erinnern, daß sich beide marxistischen Ideologien - die kommunistische und die sozialistische - nicht allzu sehr unterscheiden. In Wirklichkeit geht es nur um den taktischen Ansatz. Während die Sozialisten das gleiche Ziel langfristig anstrebten, wollten es die Bolschewisten schnell und mit Gewalt erreichen. Das ist der einzige Unterschied.“ Die sozialistische Ideologie sei leider nicht mit dem Kommunismus gestorben. „Wenn wir mit dem Kommunismus so abgeschlossen hätten wie mit dem Nazismus in Deutschland, dann wären die westlichen Sozialisten genauso verurteilt worden wie damals die Vichy-Regierung. Aber genau das ist nicht passiert, mit dem Ergebnis, daß die Sozialisten heute die Welt regieren.“

Bukowski verweist auf die Tatsache, daß die Sozialisten überall in Europa an der Macht sind: „Kohl wird die Wahlen in Deutschland vielleicht auch noch verlieren, dann schwimmen die Sozialisten wieder ganz obenauf. Ganz Europa, wenn nicht die ganze Welt, wird heute von Sozialisten regiert. Sie haben überlebt, ihre Positionen gestärkt und waren die eigentlichen Nutznießer des Zusammenbruchs des Kommunismus.“

Hinweis: Das Buch von Bukowski „Abrechnung mit Moskau“ erschien im Lübbe-Verlag.

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