Top-GBrief-2

Sonderblatt Nr. 2/90

Die betrogene Opposition

Ob man will oder nicht, die Entwicklung in der „DDR“ und in anderen Ländern des Ostblocks führt uns zur Erkenntnis eines Mannes, der wie kaum ein anderer das totalitäre System erlebt, erlitten und begriffen hat: „Fragen Sie eine Krebsgeschwulst, warum sie sich ausbreitet? Sie kann einfach nicht anders. So ist es mit dem Kommunismus: Er kann einfach nicht von der Eroberung neuer Länder lassen. Durch boshaften Instinkt und wider alle Vernunft wird er von seiner Natur aus zur Eroberung der ganzen Welt getrieben. Der Kommunismus kommt nur zum Stillstand, wenn er auf eine Wand stößt - auch wenn die Wand nur aus Entschlossenheit besteht. Jetzt muß die Wand errichtet werden aus Kräften, die uns verblieben sind.“

Worte des russischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Alexander Solschenizyn, der 1974 nach langer Haftzeit den Archipel Gulag verlassen konnte. In wenigen Reden und Aufsätzen hat Solschenizyn aus seinem amerikanischen Exil der westlichen Welt ins Gewissen geredet und ist dann politisch verstummt, weil er keinen Sinn darin sah, sich ständig zu wiederholen. Auch auf diesen Propheten haben wir nicht gehört. Heute erlebt die Opposition in der „DDR“, wie wahr seine Worte noch heute sind. Die stalinistische SED krallt sich an der Macht fest, die einigen ausgetauschten Figuren in die Hand gespielt wurde.

Wie nach einem Drehbuch verschwanden einige prominente Übeltäter in der Versenkung, manche auch im Gefängnis. In Bautzen geht das Gerücht, die Zellen würden modernisiert - vielleicht mit Badezimmer und Fernsehgerät, damit die SED-Bonzen es besser haben als ihre Opfer, die politischen Häftlinge. Ein hoher Stasi-Offizier wechselt ins neue Amt für Sicherheit. „DDR“-Reisende aus dem Süden begegnen irgendwo im Norden ihrem ehemaligen SED-Bürgermeister, angeblich abgesetzt und wieder Bürgermeister. Stalinistische Despoten probieren in den Provinzen, ob sich die Menschen noch immer oder schon wieder einschüchtern lassen.

Die „neue“ SED setzt alle Tricks der alten Revolutionsführer ein, um die scheinbar demokratischen Wahlen am 6. Mai zu gewinnen. Da ist der frühe Wahltermin, der die Opposition daran hindert, sich zu formieren. Da sind die Machtstrukturen des Apparats und der Medien, zu denen die Opposition keinen gleichberechtigten Zugang erhalten wird. Was sind 50 Büros mit Telefon im Vergleich zu 4000 Büros mit voller technischer Einrichtung. Unter dem Druck der Straße wird man noch einige Zugeständnisse machen, die auf der anderen Seite wieder zurückgenommen werden.

Sogar der älteste stalinistische Trick, nämlich die Produktion eines neuen „Faschismus“, war den Nachfolgern Honeckers nicht zu billig, um ihn nicht neu aufzulegen. Die Menschen drüben wissen, wer dieses Schauermärchen inszeniert hat. Wie oft ist es den roten Diktatoren gelungen, mit dem Gespenst der braunen Diktatur die Massen wieder hinter ihren Fahnen zu versammeln. Das Nationalsozialismus und Kommunismus bis ins Detail identisch waren, ist durch die Lügenkampagnen des Ostblocks verwischt worden. Jetzt rächt sich, was Prof. Rohrmoser schon vor vielen Jahren den Wissenschaftlern des Westens zum Vorwurf gemacht hatte, nämlich daß sie auf die Faschismus-Interpretation der Kommunisten nicht geantwortet haben. So haben die Ideologen Moskaus die Begriffe besetzt und durchgesetzt.

Vier Freunde kehrten in den letzten Tagen von getrennten Reisen die die „DDR“ zurück. Ihre Berichte stimmen zum Teile sogar wörtlich überein. Ob in Thüringen oder Mecklenburg, die Besucher aus der „BRD“ werden mit schwarz-rot-goldenen Fahnen begrüßt und zur Bratwurst eingeladen. Nahezu alle sind sich einig, was sie wollen und was sie nicht wollen. Die Einheit sowieso, das ist überhaupt kein Thema mehr, die soziale Marktwirtschaft auch und natürlich freie und geheime Wahlen. Nicht gefragt

ist Sozialismus, jede Art von „Utopie“ - auch wenn sie westlicher Herkunft sind. Tiefes Mißtrauen gegen alle Ideologien und „Träume“.

Festgestellt haben die Freunde eine sich ausgebreitende Resignation. Was sollen wir denn machen, die SED hat alles fest im Griff! Sie laufen durcheinander wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen - pardon! - und ziehen sich schon wieder in ihre „Nischen“ zurück, weil sie überfordert und ihrer eigenen friedlichen Revolution bereits entfremdet sind; die Macht in fremden Händen liegt. Man hat über die Deutschen immer gespottet, daß sie zur Revolution eine Bahnsteigkarte lösen, die Fahne vorher beim Amt beantragen würden. Tragische Ironie mit umgekehrten Vorzeichen. Heute wissen die Freunde drüben nicht, wie man einen Wahlkampf führt, eine Satzung verfaßt und einen Kandidaten wählt.

Während die seit Hitlers Zeiten Unterdrückten über der Geschäftsordnung brüten und Papier für das erste Flugblatt suchen, haben sich die neuen SED-Macher die Revolution unter den Nagel gerissen. In Thüringen haben diese fabelhaften jungen Leute, die ihre Abende nicht in Lambada-Umarmungen verbringen, vom christlichen Menschenbild gesprochen, nach dem die Politik ausgerichtet werden müsse. Dazu brauche man unsere Unterstützung. Von wem? Von Kohl und Blüm, von Genscher und Lambsdorff, von Vogel und Lafontaine - oder gar von den Grünen? Wie sagte der „Speckpater“ Werenfried van Straaten jetzt in einem KNA-Interview:

„Dafür (für die Umwälzungen im Ostblock) haben wir gebetet und gearbeitet. Aber seit etwa zehn Jahren bereitet es mir große Sorge, zu sehen, daß wir im Westen in einer so tiefen religiösen Krise stecken, daß wir kaum imstande sein werden, ausreichend zu helfen.“ Mit ähnlichen Worten äußerte sich auch Tatjana Goritschewa. Der Hauptbuchhalter dieser Krise bei uns, der Mainzer Bischof und große Vorsitzende Lehmann, befand sich am Wochenende nicht etwa in Erfurt oder Leipzig, um die in der Opposition stehenden Katholiken aufzurichten. Nein, er spielte mit bei „Wetten, daß ...“, der hohen Einschaltquote gewiß, eingerahmt von drei Schauspielerinnen, deren Filme bzw. Fernsehserien gerade anlaufen.

Bo Derek, die „Traumfrau“, ist wieder vorwiegend hüllenlos in deutschen Kinos zu besichtigen, Witta Pohl, als „diese Drombusch“, kommt als Geliebte eines verheirateten Mannes auf die Mattscheibe. Welch eine Szene für einen römisch-katholischen Bischof! Das war sein Auftritt: Der Bischof und die Sünderinnen, die es zu bekehren galt! Aber es kommt noch dicker. Der Bischof mußte sich von dem Lachknäbchen der Nation, dem Ex-Ministranten Thomas Gottschalk, vorschwärmen lassen vom Stufengebet und der „schönen „ alten tridentinischen hl. Messe. Ob Lehmann wußte, wovon nostalgisch die Rede war?

Verzeihen Sie die Abschweifung! Aber was haben wir denn sonst noch den Menschen drüben anzubieten? Die verbrauchten Systeme, den Terror der Ideologien, den Bodensatz antichristlicher Theologien? Wenn die politischen Heilsentwürfe hüben und drüben ohne Gott geschrieben werden, enden sie in der Katastrophe. Und wenn die Opposition in der ,,DDR“ erkennt, daß sie betrogen ist, wird man das Wort „friedlich“ streichen müssen.  – (cpc)†  -

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