Top-GBrief-2

24. Jahrgang, Nr. 12/89

Lagebericht: Glaubenstreue Katholiken in Opposition gegen CDU und Kirche

Nachricht: Die Minderheit der glaubenstreuen Seelsorger und Katholiken hat sich völlig von der CDU abgewendet. Die Bereitschaft, der CDU bei kommenden Wahlen die Stimme zu geben, ist in zwei Jahren auf den Nullpunkt gesunken. Die Ablehnung hat totale Formen angenommen, da die CDU christliche Wertvorstellungen preisgegeben hat und keine Bereitschaft zeigt, die Massentötung ungeborener Kinder zu beenden. Zu diesem Ergebnis kommt eine SB-Studie über das Meinungsbild der konservativen Minderheit in der katholischen Kirche.

Hintergrund: Ausgewertet wurden verschiedene Publikationen, u.a. „neue bildpost“, „Deutsche Tagespost“, „Der Fels“, „Theologisches“, Rundbriefe, Leserstimmen und Korrespondenzen. Es folgen wichtige Passagen der Studie:

Der Niedergang des Christentums in der Bundesrepublik Deutschland und der Zusammenbruch der sog. Volkskirchen hat seit 1988 extreme Formen angenommen, wobei in der kath. Kirche die Konfrontationen, die im Aufstand gegen den Papst ihren Ausdruck finden, das Risiko einer Spaltung in sich bergen. Die kath. Kirche in der Bundesrepublik Deutschland ist intern praktisch schon lange gespalten, wobei das modernistische Lager aus der Macht- und Mehrheitsposition heraus die konservative Minderheit systematisch unterdrückt. Romtreue Katholiken werden isoliert, ihre Priester aus den Pfarreien vertrieben. Einige Dutzend dieser Seelsorger leben in einer Art Untergrund.

Während die Zahl der Kirchenbesucher weiter abnimmt und in einigen Großstädten unter zehn Prozent liegt, gibt es auf der anderen Seite eine ungewöhnliche Zunahme von Teilnehmern an Pilgerreisen: Innerhalb von Europa befanden sich im vergangenen Jahr 30 Millionen Gläubige auf Pilgerfahrten, woran deutsche Katholiken in hohem Maße beteiligt waren. Einen „Pilger-Tourismus“ hat es in dieser Form noch nicht gegeben.

Der Grund für diese Entwicklung liegt in der Anpassung der kath. Kirche an die protestantische, die nach dem Konzil begonnen wurde und ihren Abschluß noch nicht gefunden hat. Viele gläubige Katholiken flüchten wegen der „protestantischen Kälte“ ihrer Kirche und suchen aus Gründen des Glaubens Trost und Wärme an den berühmten Wallfahrtsorten. Der Pilgerstrom ist auch Ausdruck des Protestes gegen Bischöfe und Priester, die dem Zeitgeist verfallen sind und ihre Gläubigen im Stich gelassen haben. Bis auf wenige Ausnahmen werden Bischöfe von kons. Gläubigen als „Opportunisten“ und „Feiglinge“ bezeichnet.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung muß die Haltung dieser Katholiken zur CDU und deren Kurs in der Regierungsverantwortung gesehen werden. Die CSU befindet sich in einer günstigeren Position, die durch die Bereitschaft zur Normenkontrollklage wegen § 218 erheblich verbessert wurde. Bei der Beobachtung von gläubigen Katholiken fiel seit a auf, daß  Strauß von ihnen zunehmend negativer eingeschätzt wurde, weil er keine Bereitschaft erkennen ließ, gegen die Massentötung von ungeborenen Kindern anzugehen. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist die Entscheidung der Staatsregierung von großer Bedeutung.

Demgegenüber befindet sich die CDU, was die Einschätzung durch konservative Katholiken angeht, in einer bedrohlichen Lage. Die Bereitschaft, der CDU die Stimme zu geben, ist in diesen Kreisen nicht mehr vorhanden, die Ablehnung hat totale Formen angenommen. Dabei spielen Pannen und Affären keine entscheidende Rolle, sondern fast ausschließlich die Preisgabe christlicher Wertvorstellungen, wie sie in der Billigung der Massentötung Ungeborener und in der mangelnden Bereitschaft, dieses Unrecht zu beseitigen, erfahrbar ist.  – (cpc)† -

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