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Sonderblatt Nr. 42/92

Nachruf auf Herbert Frahm

Die Nachrufe auf  Willy Brandt waren so verlogen, daß der Grundsatz, man solle nichts Schlechtes über die Toten sagen, seine Berechtigung verliert. In der Zeit bei der „neuen bildpost“ war ich mehrere Jahre lang mit Recherchen über das Leben von Willy Brandt befaßt; hier das Ergebnis. Sein richtiger Name war  Herbert Frahm. Er wurde am 18. Dezember 1913 als uneheliches Kind einer Konsum-Verkäuferin in Lübeck geboren und wuchs bei seinem Großvater auf. Mit 16 Jahren trat er der Sozialistischen Arbeiterjugend bei und kämpfte in ihren Reihen gegen die NSDAP. Nach einer blutigen Auseinandersetzung in einer Kneipe, in deren Verlauf ein Mann erstochen wurde, verschwand Herbert Frahm aus Lübeck. Später wurde die Legende verbreitet, er sei mit 18 Jahren wegen der Nazis nach Norwegen emigriert. Lange Zeit standen meine Kollegen mit einem pensionierten Kriminalbeamten in Lübeck in Verbindung, der behauptete, Herbert Frahm sei der Tat dringend verdächtigt worden und darum bei Nacht und Nebel mit einem Fischkutter nach Norwegen geflohen.

Dort nahm er die norwegische Staatsbürgerschaft an und nannte sich Willy Brandt. Im spanischen Bürgerkrieg kämpfte Brandt auf der Seite der Roten Brigaden, die noch links von den Kommunisten standen, gegen Franco. In Norwegen schrieb er mehrere Bücher gegen das Hitler-Regime, darunter eins mit dem Titel „Deutsche und andere Verbrecher“. Mit Beginn der politischen Laufbahn Brandts verschwanden diese Bücher aus den Bibliotheken und Archiven. Im Zweiten Weltkrieg trug Brandt die norwegische Uniform; es ist nicht bekannt, ob er auf deutsche Soldaten geschossen hat. Im August 1948 tauchte Brandt in Berlin als norwegischer Presseattache auf und nam in Uniform im Auftrag der norwegischen Militärmission auch an den Nürnberger Prozessen teil.

Noch vor Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde Brandt SPD-Mitglied und vertrat in Berlin den Vorstand. Von 1957 bis 1966 war Brandt Regierender Bürgermeister von Berlin. In dieser Zeit wurde seine Sekretärin auf der Transitstrecke von der Volkspolizei verhaftet und später in einem Scheinprozeß grundlos verurteilt. Willy Brandt hatte eine Tochter mit ihr. Als die Sekretärin nach drei Jahren wieder freigelassen wurde, wollte Brandt nichts mehr von ihr wissen und ließ sie in seinem Vorzimmer mit einem Geldbetrag abfertigen. Sie schrieb über ihr Leben mit Brandt später ein Buch mit dem Titel: „Da war auch ein Mädchen...“ Darin kommt der Geburtstag der Tochter vor, an dem sie volljährig wurde. Brandt kam am Abend sehr spät und war wie so oft stark angetrunken.

1964 wurde Brandt als Nachfolger von Erich Ollenhauer SPD-Vorsitzender und 1966 Außenminister in der Großen Koalition unter Kanzler Kurt Kiesinger. Hinter dem Rücken Kiesingers trafen sich mit Wissen Brandts SPD-Vertreter konspirativ mit italienischen Kommunisten, um über sie geheime Verbindungen zur SED in Ost-Berlin herzustellen. Das war der Beginn der sog. Ost-Politik von Brandt, die von  Egon Bahr „Wandel durch Annäherung“ genannt wurde. Der Bundesnachrichtendienst (BND) entdeckte die Konspiration und legte Kiesinger Protokolle vor. Anstatt den Verrat aufzudecken und die Koalition aufzukündigen, kehrte Kiesinger die Affäre unter den Teppich und Brandt wurde 1969 Kanzler der sozial-liberalen Koalition.

Wie mein Verleger Wilhelm Adelmann und ich bei einem Besuch der SPD-Baracke in Bonn feststellten, war Willy Brandt nach mehreren vergeblichen Anläufen als Kanzlerkandidat der SPD keineswegs mehr unangefochtener Führer der Partei. Bei unserem ersten und einzigen Gespräch mit den Genossen kamen auch unsere kritischen Berichte über Brandt zur Sprache. Mich interessierte mehr, warum Herbert Wehner und andere so unverdrossen an einem Mann festhielten, dessen Vergangenheit auch für sozialdemokratische Verhältnisse ziemlich dubios war. Worauf uns einer der SPD-Führer - schon unter dem Eindruck des Alkohols - anfauchte, man hätte schließlich genug Geld in den Mann gesteckt, das müsse sich endlich auszahlen. Von Geld war übrigens erneut die Rede, als Brandt 1971 den Friedensnobelpreis erhielt. Verschiedene Kollegen hatten Hinweise erhalten, daß sich Mitglieder der Sozialistischen Internationale hinter den Kulissen massiv darum gekümmert hatten, daß Brandt den Preis bekam. Dabei soll eine Menge Geld im Spiel gewesen sein. Verschiedene Mitglieder des Nobelpreiskomitees flüchteten vor den Journalisten um die halbe Erde, um nicht reden zu müssen.

Mit den Verträgen von Moskau und Warschau 1970 vollzog Brandt die Annäherung an die Kommunisten und gab den deutschen Osten preis. Für diesen Verzicht hatte er sich schon in seinen norwegischen Schriften ausgesprochen. Planung und Durchführung der Ostpolitik waren begleitet von Umständen, die von verschiedenen Autoren - darunter  Heinz Vielain von der „Welt“ - in dunklen Regionen des Agenten- und Geheimdienst-Milieus angesiedelt wurden. Eine Schlüsselfigur dieses Milieus war der Stasi-Offizier Günter Guillaume, den das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zunächst in die Nähe von Georg Leber schickte, von wo er nach Bonn weitergereicht wurde, weil er sich den Ruf erworben hatte, ständig verfügbar und unentbehrlich zu sein. Guillaume begleitete Brandt auf Schritt und Tritt. Als er 1974 enttarnt wurde, stellte der BND fest, daß er Brandt auf einer Wahlkampfreise im Schlafwagenabteil des Sonderzuges mit einer Frau fotografiert hatte.

Eine wichtige Rolle spielte in diesem Zusammenhang auch ein Bordell im Diplomatenviertel von Bad Godesberg, das als Treffpunkt der politischen Prominenz galt. Die Leiterin des Etablissements war Stasi-Agentin und gab die Berichte der Prostituierten an das MfS weiter. Die Fotos von Guillaume, die im Safe eines Verlages liegen, wurden ebenso wenig veröffentlicht wie die Protokolle aus dem Bordell. Denn - so meinten die Kollegen - wer würde in einer solchen Affäre schon einer Hure glauben. Nicht wenige in Bonn meinen, daß Brandt nicht an Guillaume gescheitert ist, sondern an Herbert Wehner, der 1973 angefangen hatte, Brandt zu demontieren, u.a. mit seiner Kritik, die er 1973 ausgerechnet in Moskau artikulierte, wo er selbst seine Laufbahn als deutscher Kommunist begonnen hatte. Was er jedoch mit seinem Satz „Der Kanzler badet gern lau“ wirklich gemeint hat, blieb sein Geheimnis.

Und wieder war es eine Frau, die 1987 zum Rücktritt Brandts vom Parteivorsitz führte, die griechische Journalistin  Margarita Mathiopoulos, die er als Pressesprecherin des Vorstands durchsetzen wollte, wobei ihm die Genossen die Gefolgschaft versagten. Bleibt zum Schluß noch seinen Kniefall vor dem Denkmal des Warschauer Ghettos 1970 zu erwähnen. Das Foto ging um die Welt und Brandt wurde gefeiert als guter Deutscher. Vom „Spiegel“ nach seinen Motiven dafür gefragt, sagte er, er habe sich morgens beim Rasieren gedacht, er müsse da etwas Besonderes machen. Als ihm die „Bild“-Zeitung vorgehalten hatte, man dürfe nur vor Gott knien, sagte er zu Erhard Eppler: „Woher wissen diese Schweine, vor wem ich gekniet habe?“ Eppler zitiert dies in seinem „Spiegel“-Nachruf, den er mit diesen Sätzen schließt: „Willy Brandt war kein Kirchenchrist. Aber es spricht einiges dafür, daß er nicht ohne Neugier gestorben ist.“ Ein Grund mehr, für seine Arme Seele zu beten

- Claus P. Clausen - 

- 171092243.0210 -

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