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Die Toten begraben.

Die Betrachtung des Todes ist eine Schule des Lebens. Ich möchte euch allen den Tod vor Augen halten und sagen: Versteht als Heilige zu leben, damit ihr nur den einen Tod zu erdulden habt: die zeitweilige Trennung des Leibes vom Geist, um dann siegreich und wiedervereint aufzuerstehen und ewig selig zu werden.

Alle kommen wir nackt auf die Welt. Alle sterben und fallen der Verwesung anheim. König oder Bettler. Wie man geboren wurde, so stirbt man auch. Wenn der Reichtum der Könige auch eine längere Erhaltung des Leichnams gestattet, so kann das Fleisch doch letztlich der Zersetzung nicht entgehen. Was sind denn die Mumien? Fleisch? Nein! Vom Harz verhärtete Materie, die zu Holz geworden ist. Keine Beute der Würmer, weil entleert und von den Essenzen verbrannt, aber Beute der Holzwürmer wie altes Holz.

Der Staub kehrt zum Staub zurück, wie Gott gesagt hat. Und nur weil dieser Staub der Seele als Hülle gedient hat und von ihr belebt worden ist, ist er zu etwas geworden, das die Herrlichkeit Gottes - die Seele des Menschen - berührt hat; man kann sagen, dass er geheiligter Staub geworden ist, nicht anders als die Dinge, die mit dem heiligen Zelt in Berührung gekommen sind.

Wenigstens einen Augenblick war die Seele vollkommen: als der Schöpfer sie erschuf. Dann wurde sie von der Erbsünde entstellt und ihrer Vollkommenheit beraubt, und nur durch ihren Ursprung verleiht sie der Materie Schönheit; durch diese Schönheit, die von Gott kommt, wird auch der Körper schöner und verdient Achtung. Wir sind Tempel, und als solche verdienen wir Ehre, genauso wie die Orte, an denen das heilige Zelt gestanden hat, immer geehrt worden sind.

Erweist daher den Toten die Liebe der ehrenvollen Ruhe in Erwartung der Auferstehung und seht in den wunderbaren Harmonien des menschlichen Körpers den Gedanken und den Finger Gottes, der ihn vollkommen erschaffen und geformt hat, indem ihr auch im Leichnam das Werk des Herrn verehrt. - Doch der Mensch ist nicht nur Fleisch und Blut. Er ist auch Seele und Gedanke. Auch sie leiden, und man muss ihnen Barmherzigkeit erweisen.

Es gibt Unwissende, die Böses tun, nur weil sie das Gute nicht kennen. Wie viele kennen die Sache Gottes nicht oder nur mangelhaft, und auch nicht die Gesetze der Moral! Wie Darbende schmachten sie, weil niemand sie sättigt, und ihre Kräfte schwinden, weil es ihnen an nährender Wahrheit mangelt. Geht und belehrt sie, denn dazu habe ich euch gesammelt und sende ich euch aus. Gebt dem Hunger der Seelen das Brot des Geistes. Unwissende belehren entspricht auf geistigem Gebiet dem „Hungernde speisen“; und wenn eine Belohnung verheißen wird für ein Brot, das man einem Hungernden reicht, damit er an diesem Tag nicht sterben müsse, welcher Lohn wird dann dem gegeben werden, der einen Geist mit ewigen Wahrheiten nährt, um ihm das ewige Leben zu schenken?

Behaltet nicht für euch, was ihr wisst. Umsonst und ohne Maß wurde es euch gegeben. Gebt es ohne Geiz weiter, denn es ist ein Geschenk Gottes, wie das Wasser des Himmels, und muss gegeben werden, wie es gegeben wurde. Seid nicht geizig und seid auch nicht stolz auf euer Wissen, sondern gebt mit Demut und Hochherzigkeit. Und schenkt die klare und wohltuende Erquickung des Gebetes den Lebenden und Verstorbenen, die nach Gnade dürsten. - Man darf den durstigen Mündern das Wasser nicht vorenthalten. Und wonach lechzen die Herzen der leidenden Lebenden und der büßenden Seelen der Toten? Nach Gebeten! Nach Gebeten, die durch die Liebe und den Opfergeist wirksam werden. Das Gebet muss wahr sein, nicht mechanisch wie das Geräusch des Rades auf dem Weg. Ist es das Geräusch oder das Rad, das den Wagen fortbewegt? Es ist das Rad, das sich dreht, um den Wagen voran zu bringen. Das Gleiche gilt für das mechanische und das wirksame Gebet. Das erste tönt, und sonst nichts.

Das Zweite ist ein Werk, das Kräfte verbraucht und die Leiden vermehrt, aber den Zweck erreicht. Betet mehr durch Opfer als mit den Lippen, dann verschafft ihr den Lebenden und den Toten Erquickung, indem ihr das zweite Werk der geistlichen Barmherzigkeit vollbringt. Die Welt wird eher durch die Gebete jener gerettet werden, die zu beten verstehen, als durch geräuschvolle, unnütze und mörderische Schlachten.

Viele Menschen in der Welt haben reiches Wissen. Aber sie besitzen keinen festen Glauben. Als ob sie sich mit zwei sich gegenüberstehenden Schlachtreihen befassen müssten, pendeln sie hin und her, ohne einen Schritt vorwärts zu kommen, und mühen sich ab, ohne etwas zu erreichen. Das sind die Zweifler. Es sind jene, die beständig ein „Wenn und Aber“ und ein „doch dann“ auf den Lippen haben. Sie, die fragen: „Wird es auch so sein?“ „Und wenn es mir nicht gelingt?“ und so weiter. Es sind die Zaghaften, die nicht wissen, wo sie sich festhalten sollen; sie taumeln; man muss sie nicht nur stützen, sondern sie auch an jedem neuen Wendepunkt während des Tages führen.

Oh, sie brauchen viel Geduld und Liebe, mehr als ein geistig zurückgebliebenes Kind! Aber, im Namen des Herrn, lasst sie nicht im Stich! Gebt diesen Gefangenen ihres eigenen Ichs, ihrer nebelhaften Krankheit, euren so lichtvollen Glauben, eure feurige Kraft. Führt sie zur Sonne und zur Höhe! Seid diesen unsicheren Meister und Väter, ohne zu ermüden und ohne die Geduld zu verlieren. Treiben sie euch zur Verzweiflung? Macht nichts! Auch ihr treibt mich oft zur Verzweiflung, und noch mehr den Vater im Himmel, der oft denken muss, dass das Wort wohl umsonst Fleisch angenommen hat, weil der Mensch auch jetzt noch zweifelt, obwohl er das Wort Gottes reden hört.

Ihr wollt euch doch nicht einbilden, dass ihr mehr als Gott, mehr als ich seid! Öffnet also diesen Gefangenen des „wenn“ und „aber“ die Gefängnisse. Befreit sie von den Ketten des „Kann ich es?“ und „Wenn es mir nicht gelingt?“ Überzeugt sie, dass es genügt, sein Bestes zu tun, um Gott zufriedenzustellen. Und wenn ihr seht, dass sie den Halt verlieren, dann geht nicht vorüber, sondern richtet sie wieder auf, wie es die Mütter tun, die nicht weitergehen, wenn ihr Kind fällt, sondern stehen bleiben, ihm aufhelfen, es sauber machen, es trösten und es schützen, bis es die Angst vor einem neuen Fall verloren hat. Und monate- und jahrelang machen sie es so mit dem Kind, wenn es schwache Beinchen hat.  – Jesus –

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